ich habe ein paket mit genesungswünschen bekommen – und was adorno damit zu tun hat…

Aber erzählen sie doch baronin, sagte denys finch hatton und er sah unwahrscheinlich gut aus, als er das sagte, Sie müssen sich doch nicht dafür genieren, wenn Sie uns eine Ihrer geschichten erzählen. Ich liebe gut erzählte geschichten.

Später sollte er karen noch einen seltenen federhalter schenken, mit denen sie fortan ihre geschichten niederschrieb. …und karen erzählte von ihrer farm in afrika…

liebe freunde, ich muß euch auch eine geschichte erzählen:

es gab gerade mittagessen im krankenhaus: bauernomlett war das unheil bezeichnet, trocken wie der furz eines waldbauernbubb von karl heinrich waggerl, selbst mit einem salat geizte die krankenhausküche, lieblos hatte man uns eine salzgurke dazu serviert, sehr sauer und sehr hart – und mit knubbeln, die, an einem durchschnittlichen dildo jedenfalls sensationelle wirkung gehabt hätten.

Soeben hatte ich obendrein erfahren, daß ich auf meiner station noch bis frühestens mitte dezember ausharren müsse, da meine behindertengerechte wohnung dann erst bezugsfertig sei. Und da kommt das tranpel von hilfsschwester, etwas feist, obendrein brummig und zu keinem scherz aufgelegt – aber als ihr einige konfettiflocken aus dem paket, das sie brachte, entgenrieselten, wurde selbst sie weich und es stahl -stahl wie hart mit den drei ringen – sich kurz ein lächeln über die lippen…

ja, und was befand sich in dem paket, fragte fynch hatton und er sah mit seinem blonden schopf so unverschämt gut aus wie die satten grasebenen der n´gongberge in der regenzeit.

„Geduld, geduld“, beruhigte ihn Karen… es war Post von ganz vielen meiner freunde…vornab prangte die postkarte einer etwas üppigeren marlene im tasselkleid mit schwanenpelz aus den 50ern als sie noch im café de paris sang und nicht in den großen theatern. Damals entstand die mär, sie würde in die kleider von jean louis einenäht, damit ihre formen beeindruckend zur geltung kamen. Später, als das alter selbst ihr, der unsterblichen „kraut“ wie hemmingway sagte, zusetzte, mußte man mit polstern darunter nachhelfen…

und auf der rückseite der mappe, die ich dem wunderpaket entnahm, fand sich noch eine weitere postkarte von joan crawford wie sie in „sudden fear“ endlich ihren so widerlich-attraktiven ehemann, jack palance, erschießt, der moment des schusses….mit dem blitz der entscheidung…mit dem bild wird auch klar, warum francois truffaut hoan beim wunderschönen altern für immer männlicher hielt.

Eigentlich mußte sie ein mann sein – denn in diesenm bild läßt sie einen cum-shot los wie ihn keiner der großbestückten stars von lucas entertainment raushauen kann – es ist der ultimative schuß…

…und dann kamen noch bilder von alida valli und danielle darrieux zum vorscheinen…und ich wußte, daß ich noch mehr solche schönheiten für meine freunde porträtieren mußte…und würde…

denys finch hatton lächelte verschmitzt: „das ist ja alles sehr schön, karen, aber, was ist die geschichte dahinter?“

„Wirst du wohl stll sein und abwarten, denys!“, ermahnte ihn karen wie häuptling kinjanjui seinen ungeduldigen enkel mit einer tadelden geste zurückwies…

die geschichte ist wie immer komplizierter…

wie du weißt, mußte ich meine freunde um hilfe bitten, da meine bibliothek vernichtet werden sollte. Sie kamen zu meiner rettung…und in diesem paket stecken ihre guten wünsche dazu…

ein sehr weiser mann, der mich gar nicht kennen konnte, aber eben doch kannte, hat dazu im voraus etwas kommentiert…

…und tatsächlich hatte ich in den letzten tagen „adorno“ gelesen, ja, stell dir vor, den trockenen mit der dialektischen aufklärung. Damals, als er noch im biederen frankfurt weilte, machte er sich, vor 60 jahren gedanken über die“erotik des ohrs“…

führt das jetzt nicht ein bißchen zuz weit, das tasselkleid und der apoleget schönbergs, fiel denys finch hatton dazwischen. „nein, lieber denys“, erwiderte ich und strich ihm zärtlich übers kinn, das wie stets – er war eben gentleman, blau rasiert war –

adorno, der mithilfe von schönberg den eigenen eklektischen musikgeschmack versteht zwischebn kühler intellektualität ud früher leidenschaft, sagt etwa geniales und ich sehe, er ment damit auch das kind, das ich war…

jaja, spottete denys und dabei sah er so prächtig aus, daß ich ihn hätte küssen mögen,wenn adorno was Geniakes über dich sagte, dann erklärt das ja womöglich einiges…

ja, erwidere ich ihm – ihr wißt doch, wenn ihr meine letzten posts über meine früh-kindliche literaturbegeisterung gelesen habt, wie ich eintauchte in geschichten bis ich sie selbst erfand – der urgrund für meine liebe zu meiner bibliothek.

Adorno sagt dazu:

„die euphorische teilhabe des kindes am gelesenen beruht weder auf naiver verwechselung von fiktion und realität noch auf fehlender geschmacksbildung, sondern auf der fähigkeit zu mimesis, die nicht darauf zielt mit dem gelesenen zu verschnelzen, sonden sich mit ihm zu mischen, mischung impliziert ähnlichkeit, nicht identtät.

Ich war als kind so euphorisch, daß ich des nachts singen mußte, weil ich in der literatur etwas bergebdes anderes fand. Und so geht es mir jetzt,“sage ich und streiche zärtlich über die vielen glückwünsche, die mir mit diesem paket zugesandt werden: ganz viele andere, unter denen ich mich so geborgen fühle, daß ich nachts voller euphorie singen möchte. Wir sind einander ähnlich und darin bestärken wir uns…

oder wie luther sagte: sie erkennen einander…

„das ist ja wunderbar!“ sagte denys ohne jeden spott.

Ja, sagte ich, ich lese all die genesungswünsche wie ein kind, das ein buch liest, mit begeisterung und bin mehr als gerührt – ich bin berührt!

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s