Totengräber

Was haben die AfD, die „Demo für Alle“ (DfA) und andere rechte Organisationen gemein

Wir sind einer sträflichen Illusion erlegen…nämlich der, daß es mit unserem bräsigen Wohlstand auf Kosten anderer immer so weiter ginge. Wir haben tatsächlich an das vom völlig inkompetenten Francis Fukuyama prophezeihte „Ende der Geschichte“ geglaubt und dachten, mit dem Ende des Ostblocks verheiße der allgegenwärtige Kapitalismus Reichtum und Demokratie für jedermann. Daß Kapitalismus keineswegs die Demokratie benötigt und Reichtum nur dann befriedigend ist, wenn er auf dem Rücken vieler zum Wohle weniger etabliert wird, hätten wir eigentlich bereits vor 25 Jahren wissen müssen – der kapitalistische Reichtum für alle ist unmöglich. Reich ist man nur, wenn andere weniger haben!
Nun drängen Arme und Verfolgte ins reiche Europa – und wir unterscheiden sie zynisch in Kriegs- und Wirtschaftsflüchtlinge. Dabei ist Krieg immer ein Verteilungskampf um Ressourcen und die Macht der Deutungshoheit; also die Fortführung der Wirtschaft mit anderen Mitteln.
Wir reagieren auf die als Bedrohung empfundenen Flüchtlinge und den Bruch der verlogenen Idylle wie eh und je – autoritär: mit Grenzen und Verboten, mit einer Wagenburgmentalität, die verkennt, daß die gedachten Belagerer nur lange genug belagern müssen, um uns materiell und vor allem geistig auszuhungern. Letzteres geht sehr schnell: Europa hat inzwischen seine geistigen Ressourcen der Freiheit des Denkens (Liberté), des menschlichen Miteinanders (Egalité) und des Mitgefühls (Fraternité) über die Zinnen seiner Festung geschmissen…das gilt nicht nur für die jeweiligen Länder, sondern auch und gerade für die einzelnen, eifersüchtigen, gierigen und geizigen Bürger…Die lassen sich vormachen von Neofaschisten und Neocons, es wären die Flüchtlinge und andere Minderheiten, die ihren wackeligen Wohlstand und ihre Illusionen von kleinbürgerlicher Sicherheit bedrohten.

Ein weiterer Faktor für den internationalen Rechtsruck wird unterschätzt: Wissenschaft, Technik und Ethik haben sich rasant entwickelt, aber viele sind davon rein materiell ausgeschlossen (z.B. HartzIVer etc.) andere intellektuell: es gibt große Gruppen, die nicht Schritt halten können weil sie schlicht nicht die geistigen Fähigkeiten dazu haben oder die aus Dummheit oder mangelndem Mitgefühl nicht willens sind, sich damit zu befassen. Aus ihnen vor allem rekrutiert sich das Heer der Reaktionäre in den neofaschistischen Bewegungen. Sie sind intellektuell und emotional nicht in der Lage Lösungen zu entwerfen, die die genannten Herausforderungen der Gegenwart – ich will sie Akutmoderne nennen – aufnehmen und gestalten könnten. Sie sind nur fähig die längst als ungeeignet erkannten Mittel der Vergangenheit zu repetieren: Grenzen, Aussperren, Repression in jeder Gestalt. Es sind autoritäre Mittel, gleichsam elterliche Mittel…die Mittel also, die Eltern anwenden, wenn sie merken, daß ihr Kind anfängt eigenständig zu denken und zu handeln: Verbote, Strafen, physische und psychische Grausamkeiten – oder einfach die Verweigerung der Diskussion, das Basta!
Die Sehnsucht, die Gier nach einem herbei phantasierten ewigen Ideal der Kleinbürgerlichkeit also des Kleinkindlichen, kaum des Laufens mächtig, geschweige denn der Welterfahrung, diese Sehnsucht alles unter sich gehen zu lassen, um der aufgeklärten Selbstbestimmung zu entgehen, nennen die Rattenfänger der AfD, der PEGIDA oder anderer neorechter Bewegungen tarnend „konservativ“ – sie tun so, als könnten und wollten sie erhalten, was immer im Fluss ist. Sie behaupten sie müßten und könnten etwas angeblich Bewährtes bewahren mit Hilfe der Unterdrückung des Anderen und Neuen. Das klingt nach einem evolutionären Impetus – einem (bewußt) falsch verstandenen. Denn wenn sich etwas bewährt hat, dann bleibt es in der Evolution bestehen. So lange bis neue Anforderungen Veränderungen verlangen.
Vielleicht läßt sich dieser Bestand für eine Weile durch die „konservativen“ Maßnahmen, die ja in Wahrheit reaktionär sind, halten; aber so wie der Wagenburg-Belagerung nicht ewig getrotzt werden kann, wird die Reaktion zwangsläufig an sich selbst scheitern. Dann mag humanes tabula rasa herrschen – aber die Kakerlaken werden sich ungestört weiterentwickeln.
Daß dieser Primitivdarwinismus (dieses Mißtrauen gegenüber der Menschlichkeit, wie wir augenblicklich in Europa erleben, gefeiert von Beatrix von Storch, Frauke Petry oder Marine LePen) nicht nur mörderisch nach draußen wirkt, sondern auch nach innen, wird verdrängt. Die Politik des Denunzierens, Verachtens, Aussperrens wirkt ja nicht nur nach außen, sie ist konstituierend für die Diktatur. Auch im Inneren muß ein strenges Regime, ein Bei-Fuß und Hab-Acht herrschen, damit der enorme Aufwand zur Diktatur auch diszipliniert durchgehalten werden kann. Deshalb muß vor allem nach innen überwacht und kontrolliert werden und bei Zuwiderhandlungen bestraft oder ausgestoßen und vernichtet. Und ein Leben ohne Zuwiderhandlungen ist nicht möglich – höchstens einem Roboter; also wird es irgendwann, man muß nur lange genug warten, jeden treffen. Auch das ist ein unbedingter Wesenszug von Diktatur und Faschismus: entweder Unterwerfung als gewissenlose Maschine oder aussortiert und vernichtet werden.
So erodiert ein autoritäres Gemeinwesen schließlich von innen. Der Niedergang des Ostblocks hat es gezeigt – allerdings erst nach Jahrzehnten und unter unerhörten Opfern…
Der Widerstand gegen oder die Abwehr dessen, was ich Akut-Moderne genannt habe, ist also die Verweigerung sich mit ihren aktuellen Herausforderungen ernsthaft zu beschäftigen und Neues zu wagen – wird auf die Dauer nicht nur nach außen, sondern vor allem nach innen zu altbekannten Strukturen führen: zur Disziplinierung durch Drohungen und Strafen, letztendlich zu Verfolgungen und Vernichtungen. Es kann für Gesellschaften, die reaktionär verfaßt sind, nie genug Minderheiten geben – ob Hexen, Juden, Homosexuelle, Schwarze, Behinderte etc. es müssen immer neue Sündenböcke her, deren alleinige Existenz die happy few, die die Deutungshoheit in Besitz haben, erst in ihrem wahnhaften Richtig- oder Gottgefälligsein bestätigen. Um diesen Wahn zu regeln erfindet man Moral, die in verschiedenen Masken auftritt: als Religion, Nationalismus, Patriotismus, als heilige Familie oder Vaterland.
So wird die Legitimation scheinbar nach außen ins Numinose, Unanzweifelbare, verlagert – deus lo vult, right or wrong my country etc. kann jede Brutalität, jedes Unrecht legitimieren durch Autorität, die letztendlich wie eben der autoritäre Vater Basta ruft und nicht mehr hinterfragt werden darf. Im Falle der Zuwiderhandlung wird draufgeschlagen – wie wir´s augenblicklich bei den rechten Bewegungen in ganz Europa beobachten müssen. Wer nicht mitmacht ist gegen mich und das Allgemeinwohl – was bei autoritären Menschen oder Bewegungen immer deckungsgleich ist. Der Gebrauch der Floskel etwa: „Wir sind das Volk“ verwischt die Grenzen zwischen Individuum und Allgemeinwohl und schraubt sich zu einem exklusiven Paroxysmus auf: wer nicht für uns ist, ist gegen uns – Minderheiten sind irrelevant.
Diese Vorrede war nötig, um die Mechanismen des europäischen Rechtsrutsches/ruckes zu erklären. Seine Ursachen sind Angst vor der Gegenwart und Zukunft, seine Mittel: aberwitziges Beharrungsvermögen und hysterisches Umsichschlagen und die Suche nach Sündenböcken. Solange man sich mit ihrer Beseitigung beschäftigt, muß sich nicht anstrengen, die Zukunft zu gestalten. Konsequent zuende gedacht heißt das: der Mord bewahrt die Beharrenden vor dem Zwang zu dieser Beschäftigung der Zukunftsgestaltung. Wer mordet, stellt sich nicht infrage, im Gegenteil, er bestätigt und legitimiert sich selbst seine unbezweifelbare Macht über Leben und Tod – das ist das innerste Wesen des Faschismus. Es ist einfacher zu morden als zu denken!

Und so komme ich zu einer speziellen Erscheinungsform dieser Beharrungskräfte, der „Demo für Alle“ und den Sumpfblüten ihrer Unterabteilungen, den zahlreichen ominösen katholischen und evangelikalen Kinderschutzorganisationen.
Während die Wanderburschen der PEGIDA-Spaziergänge auch mit Demonstrationen Aufmerksamkeit auf sich ziehen, aber tatsächlich eine Zusammenrottung von Maulmördern, geistig Zurückgebliebenen, empathielosen und intellektuellen Kleinverbrechern ist, stellt die „Demo für Alle“ ein anderes Kaliber dar. Die marodierenden Montagshorden nölen einfach gegen jeden und alles. Die „Demo“ dagegen hat bereits eine gezielte Stoßrichtung und befolgt wie nach dem Lehrbuch alle Schritte des Grundkurses Faschismus. Als erstes und vordringlichstes Ziel: such dir einen Sündenbock.
Zweiter Punkt: geniere dich nicht, immer ungeheuerlichere Lügen, Halbwahrheiten, erstunken-erlogene Geschichten und Unterstellungen zu erfinden und wiederhole sie ad infinitum, womöglich noch auf Symposien und Kongressen mit halbseidener Wissenschaftlichkeit – irgendetwas wird schon hängenbleiben.
Dabei besteht die Basis der ganzen Frömmelei und Demagogie der ganze fromme Überbau der „Demo für Alle“, die verlogene Sorge um Kind, Volk und Vaterland und die europäische Zivilisation, die durch Homosexuelle angeblich gefährdet werden, auf nur einer schlichten Formel der Dummheit und des Hasses:
Homosexualität ist per se schädlich und ansteckend!
Vermengt man das mit der christlichen Sexualpathologie, die hier wie eine obszöne Monstranz präsentiert wird: Sexualität ist nur gestattet zwecks Zeugung von Kindern, dann ist Homosexualität das Übel schlechthin; daß jüngst wieder Bischof Laun den Satan ins Spiel brachte zeigt, wie nahe man tatsächlich dem Sexualwahn der Hexenjäger und deren Verlangen nach Hexenjagd ist.
Wenn sich die Homohasser von Kuby bis Kelle, von Storch bis Beverfoerde zumeist noch winden und von psychischen Traumata oder Krankheiten schwafeln, dann ist das noch einem schwindenden öffentlichen Konsens geschuldet, Homosexuelle als gleichwertig anzuerkennen. Noch bis zur Aufklärung galten aber Kranke auch als Sünder, die von Gott mit der Krankheit bestraft wurden. Heute wird der Kranke mit verlogenem Mitleid bedauert und nicht mehr als „so schlimm“ wie ein Verbrecher angesehen.
Der Homosexuelle ist für die „Demo für Alle“ und ihre Kämpfer eben ein Kranker und leidet unter sich selbst wie uns der Weihbischof Andreas Laun in verlogener Bonhomie und zynischer christlicher Barmherzigkeit weismachen will.
Ach was, Barmherzigkeit und Zynismus sind das Gleiche – denn Barmherzigkeit ist die Eigenschaft des Tyrannen, er kann sie gewähren oder versagen, ganz wie es ihm beliebt. Und noch „gewähren“ die Homohasser der „Demo für Alle“ Barmherzigkeit – aber keine Bange, daß die heraufbeschworene internationale Homolobby ein Werk Satans sei, ist – ich schrieb es bereits – schon mehr als einmal aus dieser Fronde herausgerufen worden.
Deshalb meinen inzwischen auch wieder Scharlatane als Homoheiler auf den Plan treten zu dürfen, um den Dämon Homosexualität auszutreiben; ein christlicher Liebesdienst. Katholische Ärzte wollen gar mit Hahnemann´schen Tinkturen Homosexualität beheben. Esoterik, Hokuspokus und Schamanentum – aber das Christentum ist ja auch nichts anderes – sollen´s also richten.
Diese Verbrecher halten ihre Unternehmungen zur Pathologisierung und Heilung Homosexueller auch noch für großartige Dienste am Einzelnen und an der Menschheit, die sie davor bewahren, mit angeblich immer größer werdenden Zahlen in Sünde und Krankheit abzurutschen…
Aber wie gesagt, all das scheint noch christlich human (obwohl sich diese Adjektive eigentlich ausschließen) aber tatsächlich der bekämpften Aufklärung geschuldet, die das Andere, nicht Gefällige nicht mehr als dämonisch gelten lassen wollte und schlichte Verbrechen oder Krankheiten daraus machte bis uns die Erfahrungen des 20. Jahrhunderts dazu führten, den Menschen immer mehr Individualrechte in Sachen Freiheit, Meinung, Öffentlichkeit und endlich auch mehr Gleichberechtigung in Sachen Geschlechtergerechtigkeit und Sexualität zugestanden.
Das macht die Sachen zwischen Mann und Frau nicht einfacher – denn wir mußten feststellen, daß es mehr Geschlechter als Mann und Frau und mehr Sexualitäten, anderes Begehren, eigentümliche Sinnlichkeiten etc. gibt, als wir es bisher verstanden oder zuließen.
Dieser Aspekt der aufgeklärten Moderne überfordert viele wie die politisch-ökonomischen, technisch-ökologischen Wandlungen und Neuerungen viele überfordern. Und auch hier wird dieser Überforderung autoritär begegnet. Man erfindet einen Sündenbock und stattet ihn mit allen nur denkbaren verbrecherischen oder satanischen Eigenschaften aus: Homosexuelle sind pädophil, verbreiten Krankheiten, wollen alte Ordnungen zerstören, bedrohen Kirche, Staat, Familien durch ihre Gleichstellung etc. pp. – und davor, behaupten die Demo für Alle und ihre Führerinnen Kuby, Kelle und Konsorten, müsse man die Kinder schützen, deshalb holten sie auch so viele Pseudo-Kinderschutzorganisationen mit in ihr marodes Boot.
Tatsächlich geht es keineswegs um den „Schutz der Kinder“, sondern um die Herrschaft der Eltern. Nicht umsonst wird beständig die Formel vom „Elternrecht auf Erziehung“ ins Feld geführt. Das ist nicht denkbar ohne einen Terminus, den die Propagandistin und Theoretikerin des reaktionären Schwulenhasses, Gabriele Kuby, des Öfteren mit heiligem Ernst beschwört: den Terminus von der regulierten Sexualität. Wer soll hier regulieren, wer will hier wen erziehen? Regulation und Erziehung sind immer nur für die Regulatoren und die Erzieher da.
Die regulierte Sexualität wird seit 200 Jahren zum Rückgrat der Gesellschaft erhoben, da ohne diese Kontrolle angeblich Zivilisation nicht möglich sei. Das ist natürlich Unsinn und pseudofreudianisch – Foucault hat das genau untersucht – es geht hier tatsächlich um die Kontrolle der gegenwärtigen Generation durch die vorherige. Man will seinen „Besitz“ (den Besitzanspruch am Kind) nicht auslassen und wenn man dann doch eines Tages sterben muß, sollen wenigstens die Überlebenden schon so gebrochen sein, daß sie nicht einmal mehr merken, daß ihr sogenannter Konservatismus eigentlich der Wiedergänger der reaktionären Eltern ist.
Der „Demo für Alle“ geht es wie allen anderen rechten Organisationen um die Verhinderung der Zukunft, um die Hegemonie der Erwachsenen über die Heranwachsenden, um den Glauben, man könne sie so brechen, daß sie genauso stumpf und besitzergreifend werden wie ihre Eltern.
Was ich anfangs als faschistisches Verhalten beschrieben habe, die Abwehr der Zukunft, findet hier seine Entsprechung – nur daß die Abwehr der Zukunft hier deckungsgleich ist mit der Abwehr der eignen Kinder.
So wie zur Zeit die rechten Strömungen und Parteien die irren Vorstellung haben, man könne die Völkerwanderungen und die daraus entstehenden Veränderungen aufhalten, anstatt sie zu gestalten, versucht die „Demo für Alle“ die Menschlichkeit der nächsten Generation mit ihrer eigenen Unmenschlichkeit zu verhindern, ihre Lebendigkeit und Vielfalt, indem sie sie auf das noch nie funktionierende Ideal der Heteronormativität einschwören will.
Ob man nun im einen Fall Kinder im Mittelmeer ertrinken oder vor den Stacheldrahtzäunen Ungarns verhungern läßt, um die Bequemlichkeit des Sofawohlstandes weiter zu genießen oder ob man Heranwachsenden ein schlechtes Gewissen und verkorkstes Selbstbild anzüchtet, indem man andere Sexualitäten stigmatisiert und pathologisiert oder sogar die daraus resultierenden Depressionen, Traumata oder Selbstmorde in Kauf nimmt, ist sich gleich. Am Ende haben wir tote Kinder oder Zombies. Die einen versinken im Mittelmeer und die anderen bevölkern Europa und rülpsen in Parteien wie der AfD – und lassen noch mehr Kinder ertrinken.
Kein Wunder also, daß Diktaturen besonderen Wert darauf legen, das Andere, Fremde, Neue, Unangepaßte auszuschließen und Kinder (die das Fremde von morgen sind) in Zucht nehmen – deshalb wollte Hitler seine Jugend hart wie Kruppstahl und zäh wie Leder machen: Offenheit und Empathie sollten ihnen abgezüchtet werden; Drill und Disziplin sorgten dafür, daß sie nicht ins Nachdenken kamen und ihre eigenen Schmerzen und Widerstände verdrängten, bis sie sie nicht mehr wahrnahmen und somit unfähig wurden, sich in den Schmerz der Anderen zu versetzen. Zwischen einem Hitlerjungen oder einem Stalinpionier und dem VorzeigeUnschwulen Marcel, der sich das Schwulsein wegbetet und abzüchten hat lassen, besteht kein Unterschied: im Namen des jeweiligen diktatorischen Hegemons, des Vaters, des Führers, des Volkswillens oder der Barmherzigkeit des Christentums sind sie zurechtgemacht worden und dem patriarchalen Willen der Reaktion unterworfen – und sie schicken sich darein, bis sie erklären, daß Schläge ihnen nicht geschadet hätten, daß sie sie sogar verdient hätten, daß man eben hart gegen sich selbst sein muß, um dann auch hart gegen andere sein zu können.
Die „Demo für Alle“ will unter der Lüge des Kinderschutzes dafür sorgen, daß ihre patriarchalen Primitivitäten, mit denen schon ihre Mitmarschierer einmal gebrochen wurden, weitergetragen werden. Sie wollen weder Vielfalt noch individuelles Glück oder wenigstens die Möglichkeit dazu. Man versteckt sich hinter Hohlformeln wie Gott, Führer, Volk und Vaterland oder dem Wahn von der Heiligen Familie.
Daß dabei die religiös Rechten von Hedwig von Beverfoerde über Mathias von Gersdorff bis Hartmut Steeb ungeheure (und ungeheuerliche) Schnittmengen mit den politisch Rechten haben, zeigt der Schulterschluß mit der AfD in Gestalt von Beatrix von Storch, die die Organisation der Demos übernommen hat.
Kern des reaktionären Denkens in der AfD ist das numinose Gejaule: „Früher war alles besser“, da herrschten noch Ordnung, Zucht und Disziplin. Man braucht nur Programme der Landesverbände und der Bundespartei zu lesen: unter dem Vorwand von Deutschtum, Volk und Vaterland, der drei-Kind-Familie mit dem Vater als Führer der häuslichen Gemeinschaft, geht es immer um das Einschränken der Freiheit der Meinung, der Sexualität und des selbstständigen Denkens: die Presse soll kontrolliert (Vorbild Polen), die Kunst auf bestimmte Programme verpflichtet (Theater z.B. sollen mehr deutsche Klassiker spielen) und vor allem Kinder und Jugendliche wieder ins Erziehungskorsett der Disziplin (und was das ist bestimmt die AfD) eingezwängt werden:
„Verstoßen Schüler und Schülerinnen gegen die Disziplin, werden sie in „Benimmkursen“ ausgesondert. Eltern haben diese „Nacherziehung“ zu bezahlen, sind sie dazu nicht in der Lage, müssen sie mit „Zwangsarbeit“ die Kosten dieser „Dienstleistung“ an Schulen abarbeiten.“
In diesen dürren Worten aus dem Parteiprogramm der sächsischen AfD ist eigentlich der ganze Terror ehemaliger Nazi-Zwangsmaßnahmen beschrieben. Wer sich nicht unterwarf, der wurde ins KZ oder Gefängnis gesteckt und wenn er womöglich hingerichtet wurde, dann mußten seine Angehörigen noch die Kosten dieser Hinrichtung tragen.
Ich spreche bewußt von Hinrichtung – denn den Autoritären, ob im III. Reich oder denen aus AfD und PEGIDA, geht es darum, den Anderen, den eigenständig Denkenden und Lebenden zu brechen und zu Zombies ihres Willen zu machen.
Nichts anderes wollen die Homohasser der „Demo für Alle“; wir brauchen nur einige Vokabeln aus dem unerhörten AfD-Text auszutauschen – und dann wären deren Träume erfüllt.

Die „Demo für Alle“ und ihre bereits genannten Vertreter und Anhänger haben längst den Schulterschluß mit der Neuen Rechten vollzogen. So wie Frauke Petry und Beatrix von Storch keine Probleme damit haben, auf Flüchtlinge zu schießen, werden jene auch keine Probleme damit haben, Maßnahmen zu ergreifen, die ihnen nicht Genehmen auszusondern, zu therapieren und im Falle des Widerstandes auch zu beseitigen.
Aber warum dieser Haß? Homosexuelle nehmen ihnen nicht die Ehe, nehmen Familien nichts weg, wenn auch sie Kinder haben, nehmen keinem Heterosexuellen etwas weg, wenn sie gleichberechtigt und in gleicher Sichtbarkeit in der Öffentlichkeit erscheinen.
Doch – sie nehmen den Schwulenhassern etwas weg…wie weiland die gleichberechtigten Juden den Rassisten etwas wegnahmen: das faulige Recht, sich besser zu fühlen, etwas Besseres zu sein, das Mütchen zu kühlen am Anderen, auf ihn zu spucken, Witze zu reißen – sich erhabener und mächtiger zu fühlen. Diese gnadenlosen falschen Gewißheiten der Hierarchie, in denen sich die religiösen Schwulenhasser ebenso sonnen wie die faschistischen Antisemiten, brauchen sie, um ihr erbärmliches Dasein zu rechtfertigen. Wenn man sich Untermenschen heranzieht, dann muß man selbst ja besser sein – und jeder Sadismus wird gerechtfertigt.
Es ist keine Homophobie, die die Schwulenhasser der „Demo für Alle“ antreibt, es ist auch keine „Xenophobie“, die die Neofaschisten beflügelt – es ist die furchtbare Angst, man sei anderen gleich und gleich viel wert. Denn was die Schwulenhasser der „Demo für Alle“ und die Fremdenfeinde eint, ist die hysterische Angst, sich nicht mehr als etwas Besseres zu fühlen, die Deutungshoheit, ja die Hoheit, zu verlieren durch Emanzipation und Demokratie.
Da ist jeder verfahrene Gedanke, jede Pseudowissenschaftlichkeit recht, um ein Potemkinsches Dorf der Abwehr aufzubauen: von Peter Sloterdijk über Götz Kubitschek bis Gabriele Kuby: der autoritäre Charakter rechtfertigt sich nur, wenn er Untermenschen hat.
Es lohnt deshalb auch nicht, sich mit den Pseudoargumenten, die jene mantramäßig immer wiederholen, auseinander zu setzen. Sobald diese Leute politische Macht erlangen, pfeifen sie auf diesen Rechtfertigungsunterbau.
Die AfDler werden auf politische Gegner schießen, sie absondern, einsperren und beseitigen. Kommt mit ihnen die „Demo für Alle“ in die Position Macht auszuüben, wird sie nichts anderes tun.
Wenn also schwule Irrläufer wie David Berger oder Mirko Welsch sich diesen Kräften andienen, dann kann man diese Thanatos-Regungen nur ihrer kognitiven Dissonanz zuschreiben; wenn man freundlich bleiben will.
Kein Zweifel: Was die AfD für die liberale Demokratie ist, nämlich ihr Totengräber, das ist die „Demo für Alle“ die Homosexuellen!

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