Was will Frau Herold?

In den letzten Tagen mußte ich mit Erschrecken von Dutzenden von neurechten Gruppengründungen erfahren und von rechten Figuren, die immer lauter den Mund aufreißen, um Lügen und Verleumdungen in die Welt zu setzen….
Während PEGIDA meint, mit Straßenradau wie weiland ums Jahr 1930 ihn die SA betrieb, die Demokratie destabilisieren zu können – Lutz Bachmann schreit ja schon laut nach Aufständen und träumt von einem deutschen Maidan – oder auf der fb- Seite des Hessischen AfD-Vorsitzenden Münch Poster von einer Militärregierung träumen…- verfolgen Leute wie Corinna Herold die Unterwanderung unseres Landes mit rechten Zielen geschickter:
Die AfD-Abgeordnete im Thüringer Landtag stellte eine Kleine Anfrage im Parlament. Sie will wissen, wieviele homosexuelle, bi- und transsexuelle Menschen es im Freistaat gibt. Angeblich will sie mit der Zahl belegen, daß die Beschäftigung mit diesen Menschen obsolet sei, da diese in der Minderzahl seien und der Landtag eben Politik für die Mehrheiten mache.
Mal ganz abgesehen davon, daß demokratische Regierungen eben nicht nur Politik für Mehrheiten machen sollen, sondern die Minderheiten in den (nochmal!!!) demokratischen Prozeß einschließen müssen, hat Frau Herold, warum ist sie nicht ehrlich, etwas ganz anderes im Sinn!
Ihre Anfrage erinnert erschreckend an eine gleichgeartete Anfrage der Partei „Die Rechte“ im Dortmunder Stadtrat im November 2014. Die wollten wissen, wieviele Juden wo in ihrer Stadt lebten. Also sie verlangten sogar die Adressen…
Was beabsichtigen die Salonfaschisten in Dortmund und Frau Herold in Thüringen? Sie möchten bereit sein, wenn ihnen die „Machtergreifung“ gelingt; dieses Wort geistert bereits in AfD-Kreisen und vor allem in Lutz Bachmanns PEGIDA umher.
Man muß diesen Herrschaften aber sagen, daß es damals keine „nationale Erhebung“ gab – sondern, daß zur Schande der Deutschen, diese die NSDAP „gewählt“ haben, wie sie jetzt auch wieder die AfD wählen, die Frau Herold vertritt – also eine antidemokratische, nationalistische bis faschistoide Partei.
Würden solche Anfragen in reale Erhebungen übergehen, kann man das nicht anders nennen als das Erstellen von Rosa Listen oder ein Judenregister. Und was kann man damit anfangen? Die Nazis haben es vorgemacht: die systematische Ausrottung der Juden, die systematische Vernichtung von Homosexuellen.
All dieser grausame Unfug, diese mörderische Vernichtung ist nur möglich, wenn fanatisierte Homo-Hasser davon überzeugt sind, daß a. Homosexualität infektiös ist (Frau Herold sollte es besser wissen, denn sie ist Zahnmedizinerin) und b. daß Homosexualität und Pädophilie das gleiche sind.

Heute findet in Stuttgart wieder eine „Demo für alle“ (alle meint nur fanatisierte christliche und evangelikale rechte bis klerikalfaschistische Christen) statt. Als Hauptrednerin ist angekündigt „Gabriele Kuby“, die immer wieder – besonders in ihrem Machwerk „Die globale sexuelle Revolution“ – die Nähe von Homosexuellen und Pädophilen insinuiert, um daraus den Untergang des Abendlandes heraufzubeschwören – so wie die PEGIDA das in Hinsicht auf die Muslime macht.
Nur auf dem Hintergrund des Wahnes von der weltumspannenden Homolobby, die Kuby immer wieder quasi mit Zittern in der Stimme, als Verursacher allen Übels herbeizaubert, läßt sich eine solche Anfrage wie die von Frau Herold verstehen.
Zu Beginn des 21. Jahrhunderts, da fast die Emanzipation von Schwulen und Lesben erreicht scheint, haben die Neurechten soviel Angst vor den daraus folgenden liberalen Veränderungen in der demokratischen Gesellschaft, daß sie erneut versuchen, Sündenböcke zu installieren. Kuby macht die Schwulen für die demographische Entwicklung verantwortlich, für den „Niedergang“ der Ehe (die ausschließlich die einzigen zu verantworten haben, die eine Ehe führen – die Heterosexuellen – und auch die haben endlich erkannt, daß die Zwangsmonogamie der Religionen im Widerspruch zur menschlichen Natur steht) und für tausenderlei andere liberale, demokratische Entwicklungen in den westlichen Gesellschaften, die sich endlich nach und nach aus der theokratischen Umklammerung lösen. Nicht anders ihre Mitkämpferinnen, die Organisatoren der „Demo für alle“, Hedwig von Beverfoerde und Beatrix von Storch.
Während diese also den Straßenkampf und die verbalen Saalschlachten organisieren (wie jene bei dem Kongreß des Forums deutscher Katholiken in Fulda, bei dem der Schweizer Bischof von der biblischen Todeswürdigkeit der Homosexuellen faselte), begibt sich die AfD-Abgeordnete auf den Marsch durch die Institutionen, um quasi auf demokratischem Wege die erneute Diskriminierung homosexuelle r und transsexueller Menschen einzuleiten. Es kann keine anderen Gründe für ihre Anfrage als diese geben.
Beatrix von Storch hat also in der AfD folgsame Genossinnen, die ihre marktschreierischen Aktionen – wie heute in Stuttgart – mit parlamentarischer Arbeit begleiten.
Sie haben Absichten und Ziele – es geht darum, Homosexuelle erneut zu stigmatisieren, zu marginalisieren und(da z.B. Frau Kuby sich ganz begeistert zeigt von der Behandlung der Homosexuellen in Rußland), sie erneut zu kriminalisieren.
Wohin das führen kann und soll (ich zweifele nicht im Mindesten an den schlechten Absichten der üblichen Verdächtigen), zeigt eine ebenfalls aktuelle Meldung von heute:
http://www.rightwingwatch.org/content/theodore-shoebat-homosexuality-leads-cannibalism-kill-those-who-won-t-submit-christianity

Zwar ist die amerikanische rechtsfaschistische GOP-Bewegung eine riesige Versammlung unterdurchschnittlich gebildeter, christlicher Border-Liner, aber sie stellt einen nicht zu unterschätzenden Machtfaktor in Washington dar. Dies ist schon der zweite öffentliche Vorstoß tolldreister Evangelikaler in diesem Jahr, der zur Tötung von Homosexuellen aufruft – den ersten lancierte der kalifornische Anwalt Matthew McLaughlin im Februar, als er eine Petition anregte, die die standrechtliche Erschießung von Homosexuellen forderte. Die würden nämlich den Zorn Gottes heraufbeschwören, der darauf hin die amerikanische Bevölkerung mit Katastrophen bestrafen würde….
Wahnsinnig, absurd? Nein, wenn es auch nicht der Zorn Gottes war, mit dem man argumentierte – es war nur „die Vorsehung“… Hitler und Himmler sahen sich als Vollstrecker derselben, um mit der Massenermordung der Juden angeblich das deutsche Volk, ja die Zivilisation vorm Untergang zu retten.
Spektakuläre Einzelfälle? Nein, diese Herrschaften in den USA kommen vielleicht nur zu früh mit ihren Mordforderungen.
Und bei uns? Autoren wie Frau Kuby beschwören ja bereits die Schädlichkeit der Homosexuellen für die Zivilisation, die Staaten, die Bevölkerungen, die Familien usw. – das läuft zwangsläufig darauf hinaus Homosexuelle abzusondern, zu zwangszubehandeln, einzusperren oder eben, da ja das alles nicht den erhofften Nutzen bringt, sie am Ende aus „sozialhygienischen Gründen“ zu vernichten!
Anfragen wie die von Frau Herold stellen also den Beginn eines Weges in den neuen Faschismus dar, der natürlich wieder Sündenböcke braucht wie weiland die Juden – jetzt eben wiederum auch die Homosexuellen. Und das Perfideste dabei: die Homosexuellen lassen sich eben nicht ausrotten wie weiland eine ganze Bevölkerungsgruppe. In jeder Generation werden neue Homosexuelle, Bisexuelle und Transsexuelle geboren – wie praktisch, da hat man dann immer wieder ein Kontingent, auf das man seinen Wahn vom Untermenschen, der die faschistische Gesinnung, den faschistischen Staat bedroht, projizieren kann!
Sicher – die Führerköpfe wie Lutz Bachmann, Jürgen Elsässer, Björn Höcke, Frauke Petry, Gabriele Kuby, Birgit Kelle, Hedwig von Beverfoerde, Beatrix von Storch etc. pp. sind höchst gefährlich – aber die die kleinen Kofferträger wie Corinna Herold machen die Basisarbeit.

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