Berichte von der Front – Huonders Kombattanten

Das (katholische) Volk steht auf – der Sturm bricht los ∗

http://kath.net/news/51614
Kaum hatte Vitus Huonder aus der Schweiz seine Kriegserklärung an Homosexuelle auf dem Kongreß des Forums der Deutschen Katholiken in Fulda in die Welt hinaus posaunt, kommen seine Kombattanten aus den Schützengräber und sekundieren ihm. Der Kampf der Catholica gegen Homosexuelle ist jetzt in vollem Gange.
Jan Graubner, der Erzbischof von Olmütz/Tschechien bläst mit den üblich niederträchtigen Doppelsprech-Posaunen auf kath.net zur Attacke:
„Jemanden zu verurteilen, weil er eine andere sexuelle Neigung hat, ist genauso falsch, wie jemanden wegen seiner Hautfarbe zu verurteilen. Andererseits ist es unakzeptabel, wenn jemand aus einer solchen Gruppe „Vorteile und Rechte“ fordert, die andere nicht haben. (…) Ein Recht auf Sex außerhalb der Ehe haben weder Homosexuelle noch Heterosexuelle. Die Bibel nennt beides Sünde. Es ist notwendig jede Sünde zu verurteilen, auch wenn man die Sünder lieben soll. (…) Die öffentlichen Sünder waren von der Gemeinschaft ausgeschlossen.“
Erzbischof Graubner vertritt hier ein Bild der Sexualität, das jeder Wissenschaft und Menschlichkeit widerspricht. Er dämonisiert sie wie bereits Paulus und Thomas von Aquin; man dachte, diese Antiquität sei endlich vom Tisch. Aber natürlich hat man sich getäuscht. Seine Sexualphobie, die er wieder installieren will, macht die Menschen kaputt im Namen Gottes. Wer Sexualität sündig nennt, ist ein Verbalverbrecher und hat weder von der menschlichen Biologie noch Psychologie irgendeine Ahnung. Natürlich geht es hier wie immer nicht nur um die Diskurshoheit, sondern um Macht schlechthin. Darüber hinaus verlangt Graubner ja auch, daß seine katholischen Absurditäten und Gemeinheiten auch für alle anderen Menschen gelten sollen.
Besonders wichtig ist deshalb der letzte Satz – er strotzt von katholische Bigotterie – da ist von „öffentlichen Sündern“ die Rede, also jenen, die das, was dem Graubner nicht paßt (und von dem er behauptet, sein Gott könne es nicht leiden) nicht im Verborgenen tun. Was aber den Schatten des christlichen Verschweigens geschieht, so kann man schlußfolgern, ist sündenmäßig nicht relevant – also all jene von der Kirche unter der Decke gehaltenen Mißbräuche an Kindern z.B. und die vielen anderen Verbrechen, die bisher nicht ruchbar geworden sind, weil die Kleruskrähen den anderen kein Auge aushacken – was allerdings auch zur bequemen Verfügbarkeit der entdeckten „Sünder“ führt, zu dem intrinsischen System von Erpressung und Aufdeckung, der katholischen Fraternisierung der Kleriker im sexuellen (und anderem) Zynismus!
Der zweite Teil des Satzes von den „öffentlichen Sündern“ ist begleitende Marschmusik zu Huonders Sturmangriff. Man kann die Homosexuellen ja gerne liebhaben, aber sie werden ausgeschlossen; will heißen ausgestoßen, für vogelfrei erklärt (wie in Rußland – und die orthodoxe Kirche jubelt darüber wie hier auch gewisse Leid/Leit-Figuren vom Forum Deutscher Katholiken). Und die Vogelfreiheit bedeutet ja auch, daß der Ausgestoßene von jedermann bespuckt, getreten, geschlagen oder in letzter Konsequenz getötet werden kann.
Da ist es also auch kein Wunder, daß Graubner – der ja über Homosexuelle spricht, die sich erdreisten auch Sex zu haben oder einander heiraten möchten – und dabei stört es ihn nicht, daß sie das im säkularen Staat wollen – eben diese Homosexuellen mit Alkoholikern, Dieben oder sogar Mördern vergleicht.

Hier muß endlich Schluß sein mit der herbei dreist beschworenen Religions- und Meinungsfreiheit – wenn gegen jede humane und wissenschaftliche Wirklichkeit, einzig aus verbohrter Religiosität heraus immer und immer wieder Homosexuelle geschmäht werden, hat das mit Vernichtungsphantasien zu tun. Es sind Aufrufe, die einen totalitären und mörderischen Gottesstaat fordern.
Mit solchen Leuten darf nicht mehr diskutiert werden. Diese Zeiten müssen endlich vorbei sein. Ich will mich nicht als Sünder beschimpfen und verbal anrotzen lassen, um somit zu einem niederer Klasse werden – denn ich weiß, wohin diese Gewalt führt: zur tatsächlichen, die im Lager endet.
Da haben sich Homosexuelle jahrzehntelang mühselig einige ihnen zustehende Positionen in der Gesellschaft erobert – und Graubner fordert, sie wieder auszuschließen, auszustoßen – und Huonder hat wenig verschlüsselt die Endlösung dieser Absichten benannt.
Der Pfarrer (oder in diesem Fall Erzbischof), der den zum Tode verurteilten begleitet, handelt ganz christlich, er liebt den Sünder, aber findet seine Tat todeswürdig. Diese Trennung ist katholisch – aber durch und durch giftig und unmenschlich. Denn die Deutungshoheit über Täter und Tat wird durch das Phantasma der „Sünde“ automatisch katholisch! Und wie seit ihrem Beginn, fordert die Catholica ihr Primat über alles – auch im modernen Rechtsstaat.
http://kath.net/news/51612
Aus den opportunistischen Schlachtreihen der sogenannten Laien in diesem entbrennenden Krieg gegen Homosexuelle, meldet sich auch Michael Hageböck, seines Zeichens Leiter einer katholischen Schule und Autor diverser Schulbücher für diese Kreise. Ich habe mich mit seinem kruden und erzreaktionären Weltbild schon einmal beschäftigt. Was ihn offenbar geärgert hat – recht so! Deswegen habe ich dies geschrieben:
http://www.theeuropean.de/wolfgang-brosche/9255-versuchte-christiologisierung-des-schulunterrichts

Hageböck beschwert sich beim St. Gallener Bischof Büchel in einem offenen Brief, weil der Huonder für seine Äußerungen kritisiert hat. Der Lehrer fordert, Bückel, solle sich entschuldigen, denn Huonder habe ja nur katholische Wahrheit gesprochen.
Hageböck jault auf, weil sogar die nicht gerade homosexuellenfreundliche deutsche Regierung, in ihren Koalitionsvertrag hineingeschrieben hat, daß der Kampf gegen Homophobie Teil des Kampfs gegen Rechtsextremismus sei. Und das ist er ja auch (außer vielleicht für Herrn Berger, aber der ist ja fähig zu katholischem Doppeldenk, wenn überhaupt!)!
Mit seinen Zeilen auf kath.net wehrt sich der rigide Pädagoge gegen jede Akzeptanz von Homosexuellen. Wie der Olmützer Bischof räsoniert er vom Sexualverbot außerhalb der Ehe, daß auch für Heterosexuelle gelte. Für Schwule ja sowieso!
Wieder kommt er mit den Ladenhütern der „frei gewählten Sexualität“ und verneint sogar die Existenz von Bi- und Transsexuellen. Zum Schluß gibt es noch einen Tritt gegen „gender“, daß er in seiner Einfalt aber auch gar nicht im Ansatz verstanden hat und verstehen will – was bei diesem Herrn der gleiche Stand von Ignoranz ist: nämlich total. Es ist eine Schande, daß so einer auf Schüler losgelassen wird! Hageböck mag zwar die Diplomreife dafür haben, aber nicht die menschliche – da habe ich im Vorfeld schon größtes Mitgefühl für seine homosexuellen Schüler, die vor lauter Scham und Angst wohl an ihrer Wahrheit ersticken werden. Und das alles nennt Hageböck auch noch Liebe – kein Wunder, es ist die sadistische Liebe seines Gottes: glaub an mich oder verbrenne auf ewig in der Hölle. Ein erbärmlicher Charakter.

Mit diesen Beiträgen stellen sich die zwei Herren zum Kampf auf und beginnen zu schießen. Es ist deutlich herauszulesen, was diese Leute wollen: die erneute Stigmatisierung und schließlich Pönalisierung von Homosexuellen. Ihre Sexualpathologie (denn das Neurose zu nennen, wäre schwer untertrieben) betrifft natürlich nicht bloß Homosexuelle und Transmenschen, sondern im Endeffekt auch alle anderen. Diese Träume von gezügelter und überwachter Sexualität können nur mit einer Sittenpolizei wie im Iran oder IS verwirklicht werden. Das ist ein Programm des Hasses und der Menschenverachtung.
Was hier Graubner und Hageböck betreiben, ist schlicht, aber schwer ergreifend, Kriegspropaganda!
Kleiner Nachschlag?!
Was liest man heute – auch auf kath.net – ja, die Fundichristen feiern heute bei mir unfröhliche Urständ: http://kath.net/news/51623
Ich zitiere die Feindpropaganda:
Meine Liebe Freundin Birgit Kelle, möchte nicht zu den Rechtskatholiken gehören – unter die sie u.a. auch Andreas Püttman, Kölner Theologe und durchaus konservativ – eingeordnet habe. Sie sagt, daß der SPIEGEL, der darüber schrieb, wahrheitswidrige Behauptungen aufgestellt habe und geht gegen das Nachrichtenmagazin mit einer einstweiligen Verfügung vor.
Wie tief Birgit Kelle und ihre Mann Klaus mit der rechtskatholischen Szene verbunden sind, hat allerdings schon Andreas Kemper vor Monaten sehr deutlich beschrieben: es wird also spannend, zu beobachten, wie weit Kelle, die als Agitatorin der katholischen Homoabwehr bekannt ist, sich mit ihrem juristischen Vorgehen durchsetzen kann. https://andreaskemper.wordpress.com/2014/08/29/birgit-kelle-und-die-legionare-christi/

Auch dies ist als eine weitere Verschärfung des antischwulen Kampfes der Catholica zu werten. Und es ist ein Vernichtungskampf – die wollen die Homos weghaben! Es wird also scharf geschossen – c´est la guerre!

∗ Ich weiß schon sehr genau, von wem dieses leicht abgewandelte Zitat stammt!

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Ein Gedanke zu “Berichte von der Front – Huonders Kombattanten

  1. Jan Graubner will also „niemanden verurteilen“, dieser Niemand soll aber nur nach Erlaubnis und genauer Anweisung des Herrn Graubner und seines Gottes seinen Genitalbereich in Fahrt bringen, Herr Graubner schaut quasi aus der Überich-Perspektive unter die Bettdecke – nur intus und von vorn!, bittschön!
    Ja, Herr Graubner!
    Is recht so, Herr Graubner?
    Genügt Niemand nicht den hohen Idealen des Graubner-Gott-Gespanns, begegnet man Niemand mit Achtung, Respekt, Takt und Mitleid und guten Heilungswünschen.
    Zu Ihrer großen Freude, Herr Graubner, darf ich Ihnen mitteilen, daß nunmehr auch ICH tiefes Mitleid mit IHREM Intimleben habe!

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