Der neue – alte Kampf gegen Homosexuelle

Die „Kinderschützer“ sind keine Kinderschützer

 

Mein Beitrag zur Chimäre der „Frühsexualisierung“…

http://diekolumnisten.de/2016/06/23/fruehsexualisierung-und-antihomosexuelle-propaganda/

…hat für Aufruhr gesorgt. Schon am Tag seines Erscheinens fand er bald 6000 Leser. Die Zustimmung überwog, aber es gab auch üble Angriffe auf mich; reaktionäre und ignorante. Sie zeigen wie tief verfangen sowohl im christlichen als auch im politisch-rechten Wahn die Gegner der gender-Ideen und vor allem der LGBTI-Menschen  sind.

Gewiß sind sie verbiestert und verbissen – man kann  ihren Haß noch so oft als das erklären was er ist: die Abwertung, Pathologisierung und sogar Kriminalisierung anderer Menschen zugunsten der eigenen psychischen und gesellschaftlichen Aufwertung; aber sie werden nicht aufhören Haß zu verbreiten, denn ihre Ziele sind zwanghaft-zwangsläufig tödlich. Deshalb muß man sie in die Schranken weisen.

Im tiefsten Grunde geht es natürlich um die Deutungshoheit über das Leben anderer und eine rigide Normierung der Lebensweisen, die christliche Organisationen genauso brauchen wie politisch reaktionäre: die Normierung der Sexualität alleinig zur Fortpflanzung, als sexuelle Basis völkischer Konzepte, muß natürlich Frauen-, Kinder- und LGBTI-Rechte (und Gleichstellung) sabotieren, um ein phantasiertes totalitäres Weltbild festzuschreiben. Nicht umsonst hat sich ja Hedwig von Beverfoerde, die Anführerin der Anti-Homosexuellen Bewegung, für den deutschsprachigen Raum an die Spitze einer europaweiten Bewegung gesetzt, die die EU drängen will, einzig die Ehe zwischen Mann und Frau als gesellschaftlich-juristische Norm festzusetzen.

http://www.queer.de/detail.php?article_id=25239

Für meine Aussage Beverfoerdes „Demo für Alle“  und ähnlich gelagerte Organisationen interessiere der Kinderschutz mit dem sie hausieren gehen, nicht im Geringsten und der ganze Aufruhr, den sie betrieben, diene eigentlich der Herrschaft der Eltern über die Sexualorgane der Kinder, wurde ich bitter gescholten: ich ginge zu weit.

Mit der „Herrschaft der Eltern“ ist erweitert natürlich die politische Reaktion, das rechte autoritäre Lager gemeint. Die Beschimpfungen die ich erhielt, zeigen auch deutlich wie die Chimäre des asexuellen, unschuldigen und reinen Kindes die Gesellschaft so beherrscht, daß jeder, der sie anzweifelt, gleich in den Ruch des Pädophilen gerät.

Eine ignorante Kritikerin bezweifelte sogar, daß es überhaupt eine kindliche Sexualität gäbe und diese eher eine Erfindung von Pädophilen sei, um sich leichter Zugang zu Kindern zu verschaffen…

Es war mir, als weigerten sich diese Kritiker die Erkenntnisse von Freud bis Foucault überhaupt zur Kenntnis zu nehmen; was ja allerdings auch mit der noch immer virulenten christlich-völkisch-klassistischen Sicht auf die Sexualität zu tun hat.

 

 

Also von vorne:

Die Homo-Hasser und Gegner der weiblichen Emanzipation und der Gleichberechtigung sexueller Minderheiten, sind ohne Zweifel vor allem Gegner ihrer Kinder, ja der nächsten Generation, wie alle Reaktionäre. Die Nichtanerkennung einer jeweils persönlichen, individuellen Sexualität ist ein Kernprojekt der Antimoderne. Wer darauf besteht, den Menschen nach Sexualitäten, Hautfarben, Ethnien zu kategorisieren, will normieren, Rangfolgen und Klassen einführen. Speziell die Verweigerung einer persönlichen Sexualität dient der Verhinderung des Individuellen, das ja als Individuelles auch nicht mehr normiert und beherrscht werden kann.

Bis zur Erfindung der monotheistischen Religionen, die ihre Erosphobie

im Christentum und später im Islam zur Apotheose brachten, gab es so etwas wie Sexualität als Unterscheidungsmerkmal des Menschlichen nicht. Die frühen christlichen Fanatiker, die im Katholizismus u.a. Kirchenväter genannt werden, erfanden erst die Natürlichkeit – die etwas anderes ist als die Natur. Das christliche Naturrecht erst schafft die absurde Unterscheidung von natürlich und unnatürlich. Solche Unterscheidungen dienten der jeweiligen Pastoralmacht, wie Foucault die christlich/religiös Herrschenden und ihre Macht nannte. Mit dem Entstehen der modernen Wissenschaften, des Krankhauses, des Gefängnisbetriebes schienen alte rigorose Normierungen, die sanktioniert wurden durch Folter und Todesstrafe, humaner durchtränkt.

Was einmal widernatürlich war, wurde nun pathologisiert. Insofern geben sich die Homohasser um Hedwig von Beverfoerde, Birgit Kelle Gabriele Kuby etc. nur nach außen humaner, wenn sie nahezu manisch Homosexualität als psychisch-emotionales Defizit, ja als Krankheit bezeichnen. Der gesellschaftliche Zivilisierungsprozeß drängt sie dazu, ihren irrationalen Haß zu zügeln und mit solchen Termini zu camouflieren. In einer Gesellschaft ohne humanistisches Grundgesetz würden diese Leute die früher rigorose Vernichtung des Anderen wie es heute noch immer der IS, erneut als Spektakel der Erbauung ihrer eigenen Bigotterie und Abschreckung für Zweifler inszenieren.

Die Art und Weise wie etwa Hedwig von Beverfoerde die Präsentation des Unschwulen Marcel bei den Demos für Alle zelebriert, läßt das vermuten. Hier führt eine Dompteurin das gebrochene Raubtier vor, die gezähmte Anomalität.

http://www.queer.de/detail.php?article_id=24800

 

Als exemplarische Beispiele für Anomalität – die immer etwas Bedrohliches enthalten muß, damit man durch das Bedrohliche die Norm beschwören und die phantasierte Normalität herbeiführen kann – nennt Michel Foucault „Sodomiten“, Behinderte, Hermaphroditen, „korrekturbedürftige Individuen“, also die, die man als Verbrecher bezeichnet oder Undisziplinierte, Nervöse, Unausgeglichene und auch das Kind, dessen Sexualität man meint überwachen zu müssen. Diese Überwachung und Beherrschung der Kinder beginnt im 19. Jahrhundert mit dem Kampf gegen die Onanie. Ein Kind, das sich außerhalb der elterlichen Sphäre, also unabhängig davon, selbst Lust verschafft, ist eine Bedrohung der elterlichen Herrschaft – und damit der gesamten maskulin-autoritären Herrschaftsstruktur auch des Staates. Deshalb entsteht die Lügenlegende von reinen, unbefleckten Kind  zu Beginn des 19. Jahrhunderts. (Und deshalb beschwören die „Kinderfreunde“ und Homohasser wieder  gern die Gefährdung der gesamten Zivilisation durch die befreite Sexualität – wie man sehr unschön bei Gabriele Kuby nachlesen kann, deren Machwerk „Die globale sexuelle Revolution“ ein einziger Ruf mit Donnerhall nach der, wie sie es nennt, „gezügelten Sexualität“!)

Zu Beginn des 19. Jahrhunderts also, in der das menschliche Zusammenleben durch die industrielle Revolution völlig neuen Unter-Ordnungen unterworfen wird, entsteht das von der „Demo für Alle“ in der bereits erwähnten europaweiten Kampagne genutzte Bild der PapaMamaKind-Familie – und zwar in dieser hierarchischen Reihenfolge. Es ist ein Klebebild (und ein klebriges) fürs Poesiealbum, aber keines, das seit ewigen Zeiten existiert und etwa durch das Abrakadabra des Naturrechtes gerechtfertigt ist.

 

Ein weiterer gruseliger Faktor bestimmt die Erfindung des „unschuldigen Kindes“.

Die christliche Unsinnslehre von der Erbsünde (die ihrerseits wieder das grausamste Kampfmittel zur Unterdrückung der Menschen ist), behauptet es gäbe keinen reinen, unschuldigen Menschen, selbst die gerade geborenen Kinder seien erbsündig belastet. Natürlich leuchtet es heute selbst verbissenen Gläubigen ein, daß kleine Kinder sich nun wirklich nichts haben zu Schulden kommen lassen. Dennoch funktioniert die christliche Sexualphobie (die immer weiter hochgehalten wird) nur, wenn all den Schmutzigkeiten ein Zustand der Reinheit gegenüber gestellt ist. Das intrinsisch schlechte Gewissen, das Sexualität auch in unseren angeblich säkularen Gesellschaften noch immer macht,  stammt aus den eigentlich finsteren Reinheitsmanien der Religionen. Unrein sind nicht bloß schmutzige Füße, sondern auch die Regel der Frau, der nicht zur Zeugung vergossene Same, aber auch schon gewisse Gedanken, geschweige denn Handlungen. Sexuelles ist per se unrein, in allen monotheistischen Religionen. So gilt derjenige, der Analverkehr ausübt, aus der islamischen Glaubensgemeinschaft als ausgeschlossen; wer in Richtung Mekka pinkelt, versündigt sich. Bis vor nicht allzu langer Zeit durften menstruierende Frauen nicht am Abendmahl teilnehmen. Und orthodoxe Juden danken Gott dafür, daß sie nicht als Frau geboren wurden, die als nur lüstern gilt.

(Leicht lesbaren Aufschluß über den „sexuellen“ Reinheitswahn der monotheistischen Religionen gibt das Kapitel „Die Reinheitsmanie“ in dem Buch „Wir brauchen keinen Gott“ von Michel Onfray.)

Vernünftige Hygiene, persönlicher Ekel und raffinierte Herrschaftstechniken gehen im Reinheitswahn eine üble Synthese ein. Gegen all die daraus entwickelten Ge- und Verbote, können Kinder aber noch nicht wissentlich verstoßen – und deshalb dichtet man ihnen – die kognitive Dissonanz ist deutlich – auch eine fast transzendente Reinheit an.

Die Denkweisen der „Demo für Alle“ und der Homofeinde sind zutiefst irrational, aber religiös motiviert. Ihr Kampf gegen Homosexuelle ist also ein Kampf für eine imaginierte Reinlichkeit im Zwischenmenschlichen und im Staat, den eine unregulierte schmutzige Sexualität bedrohen soll – und dieser Kampf muß bereits beim Feind Kind, jenem gefährlich freien und unschuldigen Kind beginnen. Der fast nicht mehr für möglich gehaltene Widerstand gegen Homosexuelle, ist also auch eine Fortsetzung des erwähnten Kampfes gegen die Onanie.

Übrigens ist einer der lautstärksten Organisationen, die die Beseitigung des Homosexuellen durch die quacksalberische Homo-Heilung vertritt, das evangelikale „Weise Kreuz“, daß um 1900 eigentlich gegründet wurde, um die „Unsitte der Onanie unter wandernden Handwerksgesellen“ zu bekämpfen. – Die Traditionslinien sind deutlich. – Da der Kampf gegen den Arbeiter durch die Bekämpfung seiner Lust, hier der Kampf gegen Homosexuelle, die allein mit ihrer Existenz, das absurde Bild des alles wissenden, allmächtigen und allgnädigen Gottes gefährden. Gott kann ja bei ihrer Schöpfung keinen Fehler gemacht haben – der Fehler liegt bei den Homosexuellen.

https://de.wikipedia.org/wiki/Wei%C3%9Fes_Kreuz

 

Das unschuldige, reine Kind, das man angeblich verteidigen müsse, hat es nie gegeben. Wer Philippe Ariés „Geschichte der Kindheit“ kennt, weiß, daß dies eine Spukgestalt, eine Chimäre ist, die dem Reinheitswahn der Erwachsenen dienten soll. Ja, selbst diejenigen, die diese Reinheit besonders bedrohen, die Pädophilen, sind diesem Spuk aufgesessen – behaupten sie doch immer wieder, es reize sie gerade die Unschuld der Kinder…

Daß mit der Bewahrung des reinen Kindes, das eben nicht „frühsexualisiert“ sei, recht eigentlich die Selbstvergewisserung der Erwachsenen gemeint ist, die Ausgrenzung der angeblich nicht normgerechten Sexualität überhaupt, die als Einfallstor des Individuellen und Anarchischen gilt und nicht allein die Abwehr der Pädophilen, sollte jetzt deutlich sein. Es geht um die Gefährdung von Macht und Herrschaft.

Es ist deshalb auch kein Wunder, daß gerade die Exponenten des Homohasses immer wieder Homosexualität und Pädophilie – so weit es die Regeln der Zivilisiertheit noch zulassen, aber sie gingen auch gerne weiter – in Deckung bringen. Die Lüge der homosexuellen Verführung im Einzelfall, das Bedrohungsszenario der Verschwulung der gesamten Gesellschaft im Großen,  geistert von Kuby bis Kelle, von Beverfoerde bis Pirincci durch all deren Publikationen und Denken.

Und dies ganz deutlich, damit auch kein falscher Zungenschlag aufkommt: sexuelle Übergriffe auf Kinder sind keine „Verführung“, es sind Vergewaltigungen der kindlichen Eigenständig- und Unabhängigkeit. Es sind Gewalttaten, keine sexuellen.

 

Die Abwehr des Sexuellen im Kinde, gilt eigentlich der Abwehr des Sexuellen im Erwachsenen selbst, das als bedrohlich wahrgenommen wird und höchstens in strikter gesellschaftlicher Norm akzeptiert wird. Gabriele Kubys ganzes Wirken zum Beispiel läuft auf die Begrenzung und eigentlich die Abschaffung der Sexualität hinaus; aufs Eunuchentum, wie etwa bei den Skopzen, die sich kastrierten, nachdem sie Kinder gezeugt hatten – das einzige, wofür sie die Sexualorgane nötig erachteten; nach dem christlichen Naturrecht handelten die Skopzen also „natürlich“.

Der Normierung der Sexualität, die aus den monotheistischen Religionen hervorgegangen ist, führt dann auch zu den Normierungsinstitutionen von Ehe und Familie, die die „Demo für Alle“ in Deutschland und ähnliche Fanatiker in ganz Europa und den USA als einzig akzeptable Lebensweise allen aufzwingen wollen.

Nun sind die Homosexuellen ihnen schon so weit entgegengekommen, daß sie am liebsten heiraten wollen und Kinder kriegen – aber selbst dieses Opfer der Anpassung, wird ihnen erbittert vor die Füße geworfen.

 

Daß nun längst überwunden geglaubte repressive Ansichten zur Sexualität wieder an Boden gewinnen und die erneute Unterdrückung von Homosexuellen nicht ausgeschlossen ist, hat seinen Grund in einer sich abzeichnenden Zeitenwende. Wissenschaft, technische, medizinische, soziale und ethische Weiterentwicklungen verändern unser Leben rasant. Das Korsett des sexuellen und emotionalen Selbsthasses, der Menschen in Normen zwingt, kann aber weiteren Liberalisierungen nicht widerstehen. Seine reaktionäre Widerstandfähigkeit ist an ihre Grenze gelangt und explodiert:  Frauen- und Kinderrechte, die Abschaffung zahlreicher Paragraphen des normierenden Sexualstrafrechts, die Pille, die Möglichkeit der Schwangerschaftsunterbrechung  und viele weitere Entwicklungen, die die Sexualität, die Psyche und die Körper der Menschen nicht mehr einengen und zu größerer Freiheit führen, bedrohen die autoritär-patriarchale Welt. Sie schlägt unerbittlich zurück.

Was sich als angeblicher Freiheitskampf gegen Homosexuelle, gender und noch immer gegen Frauen- und Kinderrechte geriert, ist eigentlich im alten sexuellen Selbsthaß begründet. Selbsthaß in Sachen der Sexualität, die furchtbare Angst, der sexuellen Norm nicht zu genügen. So lange man von dieser Angst in Schach gehalten wird, die die ganze Gesellschaft durchdringt, wird totalitär-autoritäre, patriarchale Herrschaft, nahezu unerkannt bleiben. Weil eben – wie beim Thema Vergewaltigung – die Fragen der Macht und Gewalt ausgeblendet werden. Aber so wie die bisher Unterdrückten sichtbarer werden, erkennen die Menschen auch immer deutlicher ihre Unterdrücker…so erklärt sich Übrigen auch das Aufbrechen neuer-alter faschistisch-totalitärer Strömungen.

 

Wie sehr Sexualität und politische Macht verknüpft sind u.a. durch die Definitionshoheit über richtige und falsche Sexualität hat der  Sexualwissenschaftler Volkmar Sigusch in seinem Buch „Sexualitäten“ deutlich benannt:

https://de.wikipedia.org/wiki/Volkmar_Sigusch

 

„Das Sexuelle ist immer eingespeist in Systeme, die über es verfügen, mal so, mal anders, aber es immer beherrschen, sich seiner bemächtigen.“

Wer das Sexuelle kontrolliert, der kontrolliert den Umgang der Menschen miteinander, zwingt sie sich zu Gruppen zu bekennen und ihnen unterzuordnen.

So diente die „Sexualregelung“ durch die   Struktur der kleinbürgerlichen Familie zu Beginn der industriellen Revolution dazu, die Arbeitskräfte einzupassen in den Prozeß  der Produktion und Reproduktion (Kinder bedeuten neue Arbeitskräfte, der Zwang seine Familie als Einzelner zu ernähren, brachte den Arbeiter in Zucht und Abhängigkeit). Diese Regelung kann in Zeiten der digitalen Revolution nicht mehr aufrecht erhalten werden; die Berufung auf die Kleinfamilie als uralte und einzig akzeptable Lebensform ist eine Lüge zur Zementierung von Machtverhältnissen, die im speziellen Fall der antihomosexuellen Bewegung, nur die Ansprüche auf politisch-soziale Bevorzugung und skrupellosen Antifeminismus, Rassismus und Klassismus festigen soll.

Apropos – es ist  ja interessant, daß gerade in der antihomosexuellen Fronde so viele Adelige – Hedwig von Beverfoerde, Beatrix von Storch, Mathias von Gersdorff etc. – aktiv sind…daß ihr Kampf gegen Homosexuelle eingebettet ist in eine Sehnsucht nach dem Ständestaat, kann man, so man starke Nerven hat, auf der Webseite der „Gesellschaft für Tradition, Familie und Privateigentum“ des Mathias von Gersdorff nachlesen:       http://www.tfp-deutschland.de/ – ein einziger Aufruf zur Vernichtung der Demokratie und Unterdrückung der Menschen zugunsten solcher Charaktere wie sie diese Vereinigung vertritt.

 

Der Kampf gegen Homosexuelle und für „uralte Familienstrukturen“ ist ein Pseudokampf. Er soll den Blickwinkel verlagern, von den Herrschaftsverhältnissen auf Sündenböcke.

Familienstrukturen sind immer dem gesellschaftlichen Wandel unterworfen gewesen. Die augenblicklich als Tradition geltende wird natürlich nicht durch Homosexuelle zerstört, die sie recht eigentlich auch für sich erobern möchten, um dem gesellschaftlichen Ideal zu entsprechen. Das Leben in Gemeinschaft – wie auch immer gestaltet – wird tatsächlich bedroht durch die Erfindung der allzeit bereiten digitalen Arbeitsmonade die uneingedenk ihrer sozialen, emotionalen, örtlichen Bindungen allein und jederzeit bereit ist, durch die Welt ziehen, bis sie, nicht mehr leistungsfähig, abgelöst wird von der nächsten bereit stehenden Monade. – Diese Gestalt des Menschenmaterials ist recht eigentlich das Ziel der neokapitalistischen Gesellschaft. Eine Normfigur, ein Model, eine Ausstanzform, bar jeder Individualität.

 

Nun ist es aber gerade sexuelle und emotionale Individualität, die die „Demo für Alle“, die „Besorgten Eltern“ etc. bekämpfen. Sie können Vielfalt nicht ertragen. Recht eigentlich können sie das ungenormte Leben nicht ertragen, das sie in ihren Kindern fürchten. Wie alle Reaktionäre stemmen sie sich gegen das Leben – erst die Vielfalt garantiert das Fortbestehen. Jeder Evolutionsforscher, jeder Genetiker, könnte ihnen das in wenigen Minuten erklären.

Es ist aber kein Wunder, daß sich monotheistischer Normierungs- und völkischer Reinheitswahn in den homofeindlichen Bewegungen umarmen, sie gleichen sich in den Phantasmen des „Einen“ Gottes und des rassenreinen Volkes…recht eigentlich sind beide Verfechter des Stillstandes, des Todes. Sie lehnen das Leben und die Vielfalt ab – das ist im Christentum ebenso deutlich wie im Islam, dessen Fundamentalisten so gerne den Satz „Ihr liebt das Leben, aber wir lieben den Tod“ zitieren.

 

Der in dieser Vehemenz kaum mehr für möglich gehaltene Kampf gegen Homosexuelle ist ein Teil des Kampfes gegen die Zukunft – und so muß man auch die „Demo für Alle“ nicht als Kinderschutz-Veranstaltung verstehen, sondern als eine Truppe, die tatsächlich die Kinder und damit das morgige Leben bekämpft, um ihre paternalistische Herrschaft weiter ausüben zu können.

Der Kampf gegen „die Anderen“ wird, ohne Zweifel, noch rabiater werden. Judith Butler (jawohl, die Frau, die die „gender-Idee“ entwickelt hat) hat das schon vor 20 Jahren vorausgesehen als sie die antifeministischen und antihomosexuellen Strömungen, die auch vor allem gegen Kinder und ein humanes Morgen gerichtet sind, als rassistisch und klassistisch in ihrem Buch „Haß spricht“ entlarvte:

„Die vom Rassismus signifizierte, die Selektion anleitende und bis zum Mord reichende Beziehung zwischen „uns“ und den „anderen“ ist eine imaginäre: ein Bündel von Vorstellungen, was dieser Andere sei, der auszugrenzen ist und den man allenfalls töten darf, weil man weiß beziehungsweise zu wissen glaubt, wie jene Menschen beschaffen sind, die angeblich „die Gesundheit“ des „Volkskörpers“ bedrohen oder auch sonst aus irgend einem Grunde nicht zu „uns“ gehören.“

Mit Foucault ist Butler der Ansicht, diese politische Reaktion betreibe auf diese Weise eine „völkische Biopolitik zum Vorwand der Selektion“- und zieht den Schluß, sie wolle „zum Schweigen bringen und auslöschen!“

http://www.suhrkamp.de/buecher/hass_spricht-judith_butler_12414.html

 

Und das „Zum Schweigen bringen“ und das „Auslöschen“ sind die wahren Ziele der antihomosexuellen Bewegung der „Demo für Alle“ und anderer ähnlicher Organisationen und Personen – und sie bedienen sich dabei der Mittel, die ich im eingangs erwähnten Beitrag aufzähle.

 

P.S. – wie erbittert der Kurs der Auslöschung verfolgt wird, war an einer herablassenden Antwort von Birgit Kelle zu spüren. Als ihr angeboten wurde, auf meinen Beitrag eine Erwiderung zu schreiben, ließ sie wissen, sie spiele in einer anderen journalistischen Liga und dieser und auch einige andere Artikel, die ich gegen ihr Wirken geschrieben habe, seien rein therapeutisch.

In der Tat sind sie das – das will ich gar nicht leugnen. Denn was Birgit Kelle und die ihre Mitstreiter permanent veranstalten, sind Beleidigungen, Verletzungen, Nichtigerklärungen menschlicher Regungen und Wünsche, Vorstufen der Vernichtung; denn sie werden es dabei nicht belassen.  Sie schlagen ununterbrochen Wunden – irgendeiner muß sich ja darum kümmern.

 

Wer sich speziell über die Methoden und Ziele der „Kinderschützer“ informieren möchte, der ist ausgezeichnet bedient mit der aufschlußreichen Aufsatzsammlung:

Anja Hennigsen, Elisabeth Tuider, Stefan Timmermanns (Hrsg.), Sexualpädagogik kontrovers. Beltz Verlag. 2016

Belami in Venezia

Ach, ich hatte Lust, diesen Text ans Licht des Wochendes zu bringen, en sie fürs erotische Jahrbuch nicht haben wollten. Dann eben nicht!


„Und nun,“ sprach schmeichelnd der geschickte Friseur, in dem er dem Hairweaving den letzten Knoten verpaßte und über die glänzend aschblonde Mähne strich, „dürfen Sie sich verlieben!“
Jösta Schutt, der jahrelang unter der Kahlheit seines immer sichtbarer werdenden Kopfes gelitten hatte, erblickte verblüfft im Spiegel der Frisierkabine, wie sehr das Haarteil ihn wieder jugendlich und damit ansehbar machte. Der hinter ihm stehende Haarkünstler entblößte seine ganze Zahnpracht, so als ob er gar keine Lippen besäße. Dieses Lächeln gab dem mageren, fast fleischlosen Gesicht, einen morbiden Ausdruck. Schutt beachtete es kaum, denn er war verwandelt. Diese Kabine war eine Hexenkammer. Ihm war leuchtendes Karmesin in die Wangen geschossen.
Mit standesssicherem Lächeln nahm der Friseur den Scheck über dreitausend Euro entgegen, den der Schriftsteller ihm hinreichte. „Aber sehen Sie sich vor, Herr Schutt,“ murmelte er. „Es hat in den letzten Tagen einige Übergriffe drüben im Park auf alleinstehende Herren gegeben!“ Der überwältigte Kunde überhörte den Hinweis und mochte sein Spiegelbild im schimmernden Glas der Salontür kaum wiedererkennen.
Jösta Schutt hatte sich entschlossen, die Honorare, die er für seinen letzten Roman und eine daraus entwickelte Fernsehserie über den Niedergang einer Kaufhausbesitzersfamilie erhalten hatte, für eine Revitalisierung zu verwenden. Neben dem Hairweaving leistete er sich einen personal trainer, der ihm zergend und zusetzend dabei half, die Unform seines alternden Leibes in einen Körper zurückzuverwandeln. Als Erfolg war der Verlust von enorm viel Fett um die Leibesmitte und der Gewinn an Muskelmasse um Bizeps und Glutaeus zu verbuchen. Deshalb gönnte sich der Schriftsteller enger sitzende Jeans und taillierte Hemden von Joop. Er fühlte sich attraktiv-frisch und begann sein Spiegelbild in den Schaufensterscheiben wieder zu mögen.
Jösta Schutt lenkte seine Schritte einem Eiscafé mit einer rotweißgrün gestreiften Markise zu, auf der in violetter Schrift der Namenszug Venezia prangte. Der Schriftsteller, der sich in den letzten Jahren wegen der Kahlheit seines Schädels und des kleinen Embonpoints lieber am Rande aufgehalten hatte, faßte seine Courage zusammen und setzte sich an einen Einzeltisch in der Mitte eines bunten Treibens. Man hörte hier allerlei balkanische Sprachen, und die Betreiber des Eiscafés warfen italienische Brocken darüber. An der Grenze zum nächsten Geschäft, einem Schnellbäcker, hatte ein Stehgeiger Aufstellung genommen und intonierte den Walzer aus der Lustigen Witwe.
Schutt ließ seine Blicke über die Menge schweifen: wenige Familien, die ihren Kindern ein Spaghettieis gönnten, zumeist jeunesse dorée: Hipster mit Salafistenbärten und Veganer, die Mandelmilcheis bestellten. In einer Gruppe von recht grobschlächtigen Halbwüchsigen, einige mit Narben, fast alle die Arme bis zur Achsel tätowiert, fiel Schutt ein junger Mann auf, der urplötzlich seine ganze Aufmerksamkeit anzog. Der Junge schien ihm vollkommen schön. Ein völlig ebenmäßiges Gesicht, vormännlich nahezu noch, aber schon der pubertären Unförmigkeit entwachsen. Ein langer, zum Streicheln einladender aschblonder Schopf hing ihm ins ungewöhnlich blasse Gesicht; mochte der Junge etwas leidend sein? Auch sprach er kaum, aber entblößte dabei eine Reihe vollendeter Zähne, die gewiß gemacht waren, wie man so sagte – angesichts seiner Kumpane mochte man denken, seine eigentlichen wären ihm bei einer Enquete ausgeschlagen worden… Der Junge erinnerte ihn an die klassische Schönheit eines vollendeten Darstellers aus einer Reihe von Filmen, die eine tschechoslowakische Videofirma produzierte – und dessen entblößter Körper und seine erotischen Paroxysmen ihm bei wiederholtem Anschauen fast um den Verstand gebracht hatten. Kein Wunder, trug doch die Firma den Namen eines bestrickenden Maupassant-Helden.
Jetzt lächelte der Junge herüber, mit diesen perfekten Zähnen und mit grünblauen Augen. Man darf nicht so lächeln, raunte Schutt ganz leise, so daß ihn nicht mal die Leute am Nachbartisch vernahmen. Der Junge hielt dem starrend-verzaubertem Blick Schutts stand. Ja, er erweiterte sein Lächeln durch einen Augenaufschlag, der signalisierte, er habe verstanden. Dann zog er, wie Schutt mit Aufregung vermerkte, die Brauen hoch, erhob sich, verhandelte mit seinen Freunden, sie mögen für ihn bezahlen und ging demonstrativ langsam an Schutts Tisch vorbei, so daß der eine Woge vom süßlichen Kouros in seiner Nase verspürte. Am Bordstein blieb der höchstens neunzehnjährige Junge stehen und sah sich auffordernd nach Schutt um…der beschloß, ihm zu folgen.
Vorbei an den Taxiständen, wo der unverschämte Chauffeur, der ihn vorhin in betrügerischer Absicht auf Umwegen zum Salon gefahren hatte, an seinem Wagen lehnte und grinste, seine Kappe in der einen Hand und eine Kippe im Munde. Was sollte sich der verwandelte Schutt jetzt noch wegen des hohen Fahrpreises ärgern, der Junge, der vor ihm den Zebrastreifen zum Park hin überquerte, war jetzt wichtiger. Wie sich die Globen seines Gesäßes in der engen Hose sacht gegeneinander bewegten und wie ein schmaler Streifen weißer Rückenhaut zwischen T-Shirt und Gürtel sichtbar wurde… Dieser Schwung Nacken und Rücken und dann das Profil, wenn der Junge den Kopf umwandte, um sich zu versichern, daß Schutt ihm folgte. Gleitende Bewegung und nachsteigende Sehnsucht wurden eins. Wo der Junge war, war auch Schutts Blick.
Das endete in einem Birkenwäldchen, das jetzt im Spätsommer mit üppig rosafarbenem Heidegesträuch prangte. An den Wacholderzypressen glänzten die herben Beeren und die ersten vergilbten Blätter trudelten schon durch feine Spinnweben zu Boden. Eine übersatte Wärme hatte sich auf den Abend gesenkt.
Der Junge saß auf einer Bank, den einen Arm auf der Lehne ausgestreckt. Sein Blick ging ins Weite der leeren Parkanlage. In der horizontlosen Ferne eine Peitschenleuchte über einem roten Kiesweg, an der die Reste einer vandalisierten Überwachungskamera im warmen Wind baumelten.
Jösta Schutt ließ sich – und sein Herz zersprang fast – neben dem Jungen auf der Bank nieder. Würde seine Verwandlung bestehen? Sein Blick war der eines Diätpatienten, dem Delikatessen strengstens verboten waren und der nun eine Schale leuchtend roter, gezuckerter und mit Rahm überschwemmten Erdbeeren vor sich erblickte.
Schutt beugte sich vor, um den jungen Mann, der mit halbgeöffnetem Mund, erwartungsvoll wie es ihm schien, neben ihm saß, zu berühren. Für einen Moment blickte er in dessen grüne Augen und meinte, sich selbst, wie er einmal in diesem Alter gewesen war, zu erspähen. Doch noch bevor sich sein Mund mit dem des Jungen verband, packten den Benommenen zwei harte Hände an den Schultern, drängten ihn beiseite und warfen ihn von der Bank in den Staub. Die Freundesclique des jungen Mannes tauchte unvermittelt hinter den aufgeschossenen Wacholderbüschen auf, umringte und trat Schutt, hob ihn an, stieß ihn zurück und Faustschläge prasselten auf sein Gesicht. Grob packte ihm einer ins Haar und begriff, was er dort in der Hand hielt; er zog und schüttelte und riß so schmerzhaft das verwebte Haarteil vom Kopf, daß Schutt meinte, ihm würde ein Dornenkranz in die Haut gedrückt. Einige Fäden Bluts rannen ihm bis in den Hemdkragen.
Ein bösartiges Lachen gluckerte um den vor der Bank kauernden Schutt. Der strahlende junge Mann hielt die Brieftasche des Verprügelten als Trophäe hoch über seinen Kopf mit einer kraftvoll, jungen, hitzigen Bewegung. Noch einmal lachten alle auf und riefen einander in einer Sprache, die Schutt nicht kannte, Ermunterungen oder Schimpfwörter zu und rannten davon.
Am nächsten Tage las eine moderat empörte Öffentlichkeit in Boulevardblättern von einem gewalttätigen Übergriff, wie es schon so viele in diesem Park gegeben hatte, der diesmal den erst kurz zuvor mit viel kosmetischem Aufwand verjüngten Schriftsteller zurückließ als zerschlagenen, verdreckten und alten Mann. 

 

 

 

 

Woher kommt bloß dieser Haß?

 

Nach den Wahlerfolgen der AfD schütteln unsere Politiker noch immer hilflos die Köpfe und das geneigte Publikum erschrickt düpiert ob des unerhörten „Grundsatzprogramms“ dieser Partei. Und alle fragen sich, woher diese Skrupellosigkeit, Bosheit und der Haß kommen.

In der Fußgängerzone.
Weihnachtsmarkt. Menscheneinkaufsströme. Eine junge Mutter, vielleicht 20, keift ihr ängstlich, panisch schreiendes Kind, kaum zwei, im Kinderwagen an, baut sich vor ihm auf: „wenn Du nicht aufhörst zu schreien, dann erlebst du was!“ und holt mit dem Arm aus zum Schlag. Die Ströme strömen teilnahmslos. Ich stelle mich dazwischen. Die Mutter keift mir ins Gesicht und spuckt vor Zorn und Wut: „das ist mein Kind, ich schlage es wann ich will!“
„Nein“, sag´ ich, wehre ihren ausholenden Arm mit dem meinen ab und berühre sie dabei. Da kräht sie hysterisch vor Angst, schrill und bedroht – ganz andere Töne als die wütenden eben. So als würde ein geiler Bock nach ihr greifen…fast bricht sie zusammen, aber nicht weil das Kind sie überfordert. Für die Dauer eines Blitzes hat sie sich erinnert, daß sie selbst einmal so hilflos ausgeliefert war wie ihr eigenes Kind. Aber es ist nur der Mosaiksplitter eines alten und größeren Bildes, der ihr schnell entfällt und im Nu funkelt sie ihr Kind wieder bösartig an.
Wir sind einer sträflichen Illusion erlegen…
…nämlich der, daß es mit unserem bräsigen Wohlstand auf Kosten anderer immer so weiter ginge. Wir haben tatsächlich an das vom völlig inkompetenten (oder bloß besoffenen Neocon) Francis Fukuyama prophezeihte „Ende der Geschichte“ geglaubt und dachten, mit das Ende des Ostblocks verheiße zugleich den allgegenwärtige Kapitalismus Reichtum und Demokratie für jedermann.
Daß Kapitalismus keineswegs die Demokratie benötigt und Reichtum nur dann befriedigend ist, wenn er auf dem Rücken vieler zum Wohle weniger etabliert wird, hätten wir eigentlich bereits vor 25 Jahren wissen müssen – der kapitalistische Reichtum für alle ist unmöglich. Reich ist man nur, wenn andere weniger haben!
Nun drängen Arme und Verfolgte ins reiche Europa – und wir reagieren auf die als Bedrohung empfundenen Flüchtlinge und das Zerbrechen der verlogenen Idylle wie eh und je – autoritär: mit Grenzen und Verboten.
Das vor ein paar Tagen geleakte Grundsatzprogramm der AfD besteht nur aus Ablehnung, Verboten, Druck, aus Bigotterie und totalitären Träumen. Die träumen ja nicht nur die AfD-Mitglieder, sondern vor allem die Wähler. Nein, ich glaube nicht daran, was jetzt wieder tröstend geplappert wird: hätten sie das Programm gelesen, dann hätten sie die AfD nicht gewählt. Nein, die Wähler brauchten auch dieses Machwerk aus Manchesterkapitalismus und Spießertum nicht zu lesen – denn die AfD ist die Gestalt gewordene Sehnsucht derer, die mit den politischen, wirtschaftlichen, technisch-wissenschaftlichen, sozialen und kulturellen Entwicklungen der Moderne nicht zurecht kommen wollen.
Zugegeben, Globalisierung, Neoliberalismus, Öko-Katastrophen etc. setzen den Nerven ganz schön zu, aber all die Bedrohungen und Probleme auf die Flüchtlinge zu schieben oder andere Gruppen, die von der gesellschaftlichen Liberalisierung seit 1968 wenigstens ein bißchen profitiert haben, ist zutiefst ignorant. Doch diesem Verhalten liegt ein uraltes, typisches Muster zugrunde.
In der Tat: es gibt eben große Bevölkerungskreise, die intellektuell und emotional nicht Schritt halten können mit der liberalen Moderne weil sie schlicht nicht die geistigen Fähigkeiten dazu haben oder die aus Dummheit oder mangelndem Mitgefühl nicht willens sind, sich damit zu befassen. Aus ihnen vor allem rekrutiert sich das Heer der Reaktionäre in den neofaschistischen Bewegungen Europas. Sie sind nicht in der Lage, Lösungen zu entwerfen, die die Herausforderungen der Gegenwart aufnehmen und gestalten könnten. Sie sind nur fähig die längst als ungeeignet erkannten Mittel der Vergangenheit zu repetieren: Grenzen, Aussperren, Repression in jeder Gestalt. Es sind autoritäre Mittel, gleichsam elterliche Mittel…die Mittel also, die Eltern anwenden, wenn sie merken, daß ihr Kind anfängt eigenständig zu denken und zu handeln: Verbote, Strafen, physische und psychische Grausamkeiten – oder einfach die Verweigerung der Diskussion, das Basta!
Die Sehnsucht, die Gier nach einem herbei phantasierten ewigen Ideal der Kleinbürgerlichkeit also des Kleinkindlichen, kaum des Laufens mächtig, geschweige denn der Welterfahrung, diese Sehnsucht alles unter sich gehen zu lassen, um der aufgeklärten Selbstbestimmung zu entgehen, nennen die Rattenfänger der AfD, der PEGIDA oder anderer neorechter Bewegungen tarnend „konservativ“ – sie tun so, als könnten und wollten sie erhalten, was immer im Fluss ist. Sie behaupten sie müßten und könnten etwas angeblich Bewährtes bewahren mit Hilfe der Unterdrückung des Anderen und Neuen. Das klingt nach einem evolutionären Impetus – einem (bewußt) falsch verstandenen. Denn wenn sich etwas bewährt hat, dann bleibt es in der (auch gesellschaftlichen) Evolution bestehen. So lange bis neue Anforderungen Veränderungen verlangen.
Vielleicht läßt sich dieser Bestand für eine Weile durch die „konservativen“ Maßnahmen, die ja in Wahrheit reaktionär sind, halten; aber so wie der Wagenburg-Belagerung (als die man jetzt den Ansturm der Flüchtlinge wahrnimmt) nicht ewig getrotzt werden kann, wird die Reaktion zwangsläufig an sich selbst scheitern. Dann mag humanes tabula rasa herrschen – doch die Kakerlaken werden sich ungestört weiterentwickeln.
Daß dieser Primitivdarwinismus (dieses Mißtrauen gegenüber der Menschlichkeit, wie wir es augenblicklich in Europa erleben, gefeiert von Beatrix von Storch, Frauke Petry oder Marine LePen) nicht nur mörderisch nach draußen wirkt, sondern auch nach innen, wird verdrängt. Die Politik des Denunzierens, Verachtens, Aussperrens wirkt ja nicht nur nach außen, sie ist konstituierend für die Diktatur. Auch im Inneren muß ein strenges Regime, ein Bei-Fuß und Hab-Acht herrschen (man lese die Forderungen der AfD dazu im Grundsatzprogramm), damit der enorme Aufwand zur Diktatur auch diszipliniert durchgehalten werden kann. Deshalb muß vor allem nach innen überwacht und kontrolliert werden und bei Zuwiderhandlungen bestraft oder ausgestoßen und vernichtet.
Doch ein Leben ohne Zuwiderhandlungen ist nicht möglich – höchstens einem Roboter; also wird es irgendwann, man muß nur lange genug warten, jeden treffen. Auch das ist ein unbedingter Wesenszug von Diktatur und Faschismus: entweder Unterwerfung als gewissenlose Maschine oder aussortiert und vernichtet werden.
So erodiert ein autoritäres Gemeinwesen schließlich von innen. Der Niedergang des Ostblocks hat es gezeigt – allerdings erst nach Jahrzehnten und unter unerhörten Opfern…
Die Abwehr von oder der Widerstand gegen das, was ich Akut-Moderne nennen möchte, ist also die Verweigerung sich mit ihren aktuellen Herausforderungen ernsthaft zu beschäftigen und Neues zu wagen – diese Abwehr wird auf die Dauer nicht nur nach außen, sondern vor allem nach innen zu altbekannten Strukturen führen: zur Disziplinierung durch Drohungen und Strafen, letztendlich zu Verfolgungen und Vernichtungen. Es kann für Gesellschaften, die reaktionär verfaßt sind, nie genug Minderheiten geben – ob Hexen, Juden, Homosexuelle, Schwarze, Behinderte etc. es müssen immer neue Sündenböcke her, deren alleinige Existenz die happy few, die die Deutungshoheit in Besitz haben, und den Besitz in Besitz haben, erst in ihrem wahnhaften Richtig- oder Gottgefälligsein bestätigen. Um diesen Wahn zu regeln erfindet man Moral, die in verschiedenen Masken auftritt: als Religion, Nationalismus, Patriotismus, als heilige Familie oder Vaterland.
So wird die Legitimation scheinbar nach außen ins Numinose, Unanzweifelbare, verlagert – deus lo vult, right or wrong my country, etc. kann jede Brutalität, jedes Unrecht legitimieren durch Autorität, die letztendlich wie eben der autoritäre Vater Basta ruft und nicht mehr hinterfragt werden darf. Im Falle der Zuwiderhandlung wird draufgeschlagen – wie wir´s augenblicklich bei den rechten Bewegungen in ganz Europa beobachten müssen. Wer nicht mitmacht, ist gegen mich und das Allgemeinwohl – was bei autoritären Menschen oder Bewegungen immer deckungsgleich ist. Der Gebrauch der Floskel etwa: „Wir sind das Volk“ verwischt die Grenzen zwischen Individuum und Allgemeinwohl und schraubt sich zu einem exklusiven Paroxysmus auf: wer in der Masse nicht für uns ist, ist gegen uns – Minderheiten sind irrelevant.
Diese Vorrede war nötig,
um die Mechanismen des europäischen Rechtsrutsches/ruckes zu erklären. Seine Ursachen sind Angst vor der Gegenwart und Zukunft, seine Mittel: aberwitziges Beharrungsvermögen, hysterisches Umsichschlagen und die Suche nach Sündenböcken. Solange man sich mit deren Beseitigung beschäftigt, muß man sich nicht anstrengen, die Zukunft zu gestalten. Konsequent zuende gedacht heißt das: der Mord bewahrt die Beharrenden vor dem Zwang zu dieser Lebens-Beschäftigung der Zukunftsgestaltung. Wer mordet, stellt sich nicht infrage, im Gegenteil, er bestätigt und legitimiert sich selbst seine unbezweifelbare Macht über Leben und Tod – das ist das innerste Wesen des Faschismus. Es ist einfacher zu morden als zu denken!
Das ist auch der Kern der großen Religionen: wer sich nicht unterwirft, ist des Todes. Diese tödliche Herrschaftsidee entspringt einer anthropologischen Furcht – der Angst vor dem ungehorsamen Kind. Im Christentum findet jene Angst ihre ultimative Glorifizierung und Vollendung: der Mord am eigenen Sohn ist der zentrale Mythos dieser Religion; ja noch mehr – der Sohn muß auch noch einverstanden sein mit seiner eigenen Ermordung: der ultimative Gehorsam. Diese letale Unterwerfung untern den Willen des Vaters wird seit Jahrtausenden durch das vierte Gebot legitimiert.
Das „Listen, I can make you and I can break you“, die Forderung nach völliger Unterwerfung des Kindes, des Menschen schlechthin unter die (väterliche) Autorität wird als höchste Tugend gepriesen.
Das Brechen des Kindes, damit es so wird wie seine Eltern, ist auch das tatsächlich mörderische Zentrum des Konservativismus. Die Furcht vor der kindlichen Eigenständigkeit, der eigenen Weltauffassung des Nachwuchses ist so groß, daß der Akt der Disziplinierung schon ganz früh beginnt.
Was der arabische Dichter Khalil Gibran uns ins Stammbuch schrieb: „Eure Kinder sind nicht eure Kinder. Sie sind die Söhne und Töchter der Sehnsucht des Lebens nach sich selber!“ dürfen wir nicht wahrhaben, denn das erlaubt keine Hierarchie von besitzenden Eltern und besessenen Kindern.
Was seit 1968 gelungen ist, sind zaghafte Fortschritte im Abbau dieser Hierarchie, schwierig genug, denn das heißt: das halbwegs gedeihliche Fort- und Auskommen miteinander immerfort neu zu verhandeln, anstatt rigide Werte zu setzen, die tödlich sein müssen. Deshalb hat z.B. Ratzinger-Benedikt die ungeheure Invektive von der „Diktatur des Relativismus“ in die Welt gesetzt, um seine eiserne Jungfrau der Hierarchie und des daraus resultierenden Menschenbrechens immer wieder zuschnappen zu lassen.
Das übelste Moment dabei: der Mord, die Grausamkeit, die Schläge, der Spott, die Diskriminierungen und Ungerechtigkeiten werden als Liebestaten verschleiert – in den Religionen, in den Familien und in totalitären Systemen. Man muß nur daran glauben, sonst muß man daran glauben. So kommt es, daß Gesellschaften reaktionär verfaßt bleiben, denn die Wahrheit über die Herrschenden oder die Eltern darf nicht gewußt werden. Deshalb gab es 1968 einen solchen Aufruhr – der Versuch etwas politisch Neues zu wagen konnte nur geschehen, wenn man sich keine Illusionen mehr über die reaktionäre Elterngeneration machte – die im Übrigen ja auch durch ihre eigenen Eltern gebrochen war – und so fort.
Vor kurzem zeigte der WDR einen Film aus der Reihe „Menschen hautnah“: „Nur ein Klaps!“ Darin erzählten Kinder mit lächelnden Gesichtern, daß ihre Eltern sie eigentlich selten schlügen (von Verspottung und Mißachtung war schon gar nicht die Rede); ungerührt setzen sie hinzu: und wenn doch, dann hätten sie diese Schläge auch verdient gehabt…
Dabei gilt es zu daran zu erinnern, daß vor 15 Jahren gegen den Widerstand der damaligen „konservativen“ CDU-Opposition das Schlagen von Kindern und „seelische Grausamkeiten“ als „Erziehungsmaßnahme“ verboten wurden. Wer einen Erwachsenen schlägt, wird wegen Körperverletzung bestraft, wer ihn beleidigt, wegen Beleidigung.
Aber noch immer ist das Schlagen, Beleidigen, Verspotten, Bedrohen von Kindern ein normaler Umgang mit ihnen, sonst würden Kinder ihre Eltern (oder andere Personen, die ihnen das antun)nicht mit solchen Floskeln reinwaschen.
Noch immer ist unsere gesamte Kultur auf der Mißachtung von Kindern aufgebaut, auf der Zurichtung von Kindern, die so werden sollen wie ihre Eltern, die sich selbst den elterlichen Erwartungen der Gesellschaft längst gebeugt haben.
Ja, damit mir keine Klagen kommen, es gibt inzwischen auch genug Eltern, glücklicherweise, die anders denken und anders handeln – und nur diese Eltern und Kinder werden den Verlockungen der Neorechten widerstehen, werden nicht auf ihr schamloses Angebot des Hasses hereinfallen. – Sophie Scholl ist schon in den 30er Jahren trotz der faschistischen Gesellschaft so aufgewachsen; daß sie eben nicht auf den Verbrecherstaat hereinfiel und auch gar nicht anders konnte, als ihn abzulehnen, kostete sie das Leben.
Wer als Kind den Schmerz des Unterdrückt- und Zurechterzogenseins gespürt hat, der müßte doch eigentlich anderes wollen – ich kenne viele Eltern, die anders denken und leben, die ihre Kinder davor bewahren möchten, daß ihnen das Gleiche passiert wie ihnen selbst. Wer jedoch die Lüge gelernt hat, daß dieser Schmerz nichts bedeutet, sondern gar gerecht ist, der wird sich an den eigenen Kindern, an der nachfolgenden Generation, mit den gleichen Lügen und Untaten rächen für die Schmerzen und Grausamkeiten, die er empfangen hat.
So sah es aus bei der Mutter, von der ich am Beginn erzählte. Sie wurde nicht fertig mit den ersten Zeichen der Selbstständigkeit ihres Kindes, vielleicht war es auch nur quengelig, weil es des Einkaufens und Hin- und Herrasens in der Stadt müde wurde. Ganz gleich – das mußte bekämpft werden, mit Schreien und Drohungen, die dem kaum der Sprache mächtigen Kind Angst machten. In die Perspektive des Kindes konnte sich diese Mutter nicht hineinversetzen, konnte nicht sehen, wie sie als große, laute, drohende Erwachsene das Kind völlig überwältigte und noch kleiner und hilfloser machte als es ohnehin war.
Für einen Moment aber fühlte sich die Mutter als sie aufschrie in ihre eigene Kindheit versetzt und spürte die elterlichen oder erwachsenen Grenzüberschreitungen, als ich ihr in ihrer schlagenden Selbstherrlichkeit in den Arm fiel! Aber gleich glitt sie zurück in ihre Wut: warum durfte sie das, was ihr angetan worden war, jetzt nicht auch ausüben an ihrem Kind?!
Zurecht spürte sie Zorn und Wut – aber nicht über die, die ihr was auch immer angetan hatten, sondern sie goß beides über einen Sündenbock aus, das eigene Kind.
So funktioniert Totalitarismus: er braucht Sündenböcke, um frühe Ungerechtigkeiten an Anderen, Wehrloseren auszuagieren. Die Abfuhr der Wut geschieht bei Stellvertretern doch gilt nicht denen, die sie einmal erzeugt haben.
Die Kindheitsforscherin Alice Miller hat in „Am Anfang war Erziehung“ und anderen Werken nachgewiesen, wie dieser Mechanismus in Tyrannen wie Hitler, Ceaucescu, Stalin und anderen gewirkt hat: sie haben sich an ganzen Menschengruppen gerächt für frühe Ungerechtigkeiten und Grausamkeiten. Das entschuldigt sie keineswegs.
Doch diesen Mechanismus zu begreifen heißt auch zu begreifen, weshalb die neurechten Bewegungen in Europa und Deutschland so viel Erfolg haben und woher deren Haß resultiert. Diese Bewegungen erlauben den Haß auf Sündenböcke: Flüchtlinge, Juden, Homosexuelle etc. Sie erlauben, daß die Grausamkeiten, die man einmal selbst erlebt hat, ein Ventil finden.

Die unerhörte Maulmörderei
der Pegidisten und AfDler wird – da habe ich keinen Zweifel – durch solche Machwerke wie das Grundsatzprogramm der AfD legitimiert und ihre Fortsetzung in echten Gewalttaten finden; Überfälle auf Asylanten und Brände in Heimen sind ja schon fast an der Tagesordnung.
Die Vordenker der Neuen Rechten, wie Götz Kubitschek oder Jürgen Elsässer, schwätzen sogar schon von Widerstand – aber, wie dann auch wieder das Grundsatzprogramm der AfD zeigt, nicht von Widerstand gegen die tatsächlichen Ursachen und Verursacher der Umstande, die man als bedrückend empfindet…nein sie lenken die Wut des Widerstandes auf jene Sündenböcke, die auch noch durch einen ungeheuren Hype verteufelt werden. Gutmensch wird zur diabolischen Vokabel; Flüchtlinge werden zu feindlichen „Invasoren“ oder die Weltverschwörung der „Homo- und Genderlobby“ bedroht gleich die ganze Zivilisation. Die „Volksverräterin“ Merkel will das biodeutsche Reich (jenen kleinkindlichen Traum von totaler entindividualisierter orgasmischer Einheit) vernichten.
Es werden sämtliche Errungenschaften des menschlicheren und zivileren Umgangs miteinander bekämpft werden, die wir in den vergangenen vier Jahrzehnten erreicht haben – denn die tragen ja zur Auflösung der Hierarchien bei, des patriarchalen Oben und Unten, des kindlichen Gehorsams.
Zucht und Ordnung, preußische Tugenden sollen wieder Einzug halten ins öffentliche und private Leben. Das soll schon im frühesten Alter anfangen. Kein Wunder also, daß im Grundsatzprogramm der AfD auch die Disziplinierung der Schüler in entsprechenden Zwangskursen gefordert wird oder die Herabsetzung der Strafmündigkeit auf zwölf Jahre, um schon die Kinder auf die Phantasma des Gehorsams und der Furcht vor der Obrigkeit abzurichten.
Auch soll die Wehrpflicht wieder eingeführt werden, um so durch Wehrhaftigkeit (ein Phantasma der Konservativen) die Männlichkeit zu sichern und gleichzeitig die Zeugungsfähigkeit wieder zu stärken. Disziplinierung auch beim Kinderkriegen – natürlich zahlreich – aber nicht mehr allein, am besten in der Ehe, damit die Frauen wieder unter mehr männliche Aufsicht kommen. Und damit sie auch in der Ehe bleiben, will man das Schuldprinzip bei Ehescheidungen wieder einführen.
Alles also Erziehungsmaßnahmen, um die Selbstständigkeit der Bürger einzuschränken. Die Macht der Eltern wird hier in die Pastoralmacht des Staates überführt, der auch vorschreibt, wie es eben viele Eltern mit ihren Kindern tun, wie der unmündig gehaltene Bürger zu leben hat.
Grausamkeit und Brutalität, die die Eltern vor ihren Kindern mit angeblicher Liebe verschleiern, verschleiern die Neorechten der AfD mit den Lügen von Volkskörper, Deutschtum und Patriotismus.
So wie die Eltern ihre Kinder brechen, damit sie nicht den eigenen, sondern den Lebensweg der Eltern einschlagen, brechen die Rechten aus schierer Angst vor der Zukunft, die ihr überkommenes Weltbild überrollen könnte, sich selbst und wollen, daß die anderen ebenso gebrochene Kleinbürger, Würmer des Autoritären werden.

Der autoritäre Mensch
…ist aber so verfaßt: er ist nicht zu befriedigen, er braucht immer wieder neue Sündenböcke, um sich für einmal erlittenes Unrecht, Zurechtweisung und Mißachtung quasi rächerische Triebabfuhr zu verschaffen. Deshalb konnte Hitler eben nicht durch den millionenfachen Massenmord befriedigt werden, am Schluß des Krieges sollte sogar noch das ganze Volk dran glauben. Stalins Verfolgungswahn beruhte auf den gleichen Strukturen: er rächte sich ebenfalls an Millionen seiner Landsleute und war selbst auf dem Totenbett eine solch raschsüchtige Figur, daß sein Hofstaat Angst hatte, sein Zimmer zu betreten. Nur die Unterwürfigkeit aller Sowjetbürger konnte ihn für eine Weile beruhigen, dann zitterten die vor ihm, wie er einmal vor seinem trunksüchtigen, sadistischen Vater gezittert hatte.

Damit des nicht abstrakt bleibt, schauen wir uns abschließend doch ein paar der „Führerfiguren“ an, die von solchen Machtpositionen träumen, wie die eben erwähnten Diktatoren und sich jetzt schon verhalten wie vorpubertäre Diktatoren im Sandkasten. Allein mit Gestik, Mimik, Habitus und Sprachduktus gleichen diese Type dem geprügelten Kind, das sich mit sadistischer Freude zeitweilige Erleichterung verschafft, wenn es später, physisch erwachsen geworden, auf andere einprügeln kann.
Gleicht der beständige gish-gallop der Frau Petry nicht dem atemlosen Geschwätz einer Tochter, die nicht fürs Abitur gelernt hat und doch ihrer gestrengen Mutter vormacht, was sie alles weiß? Ohne Luft zu holen, damit man ihr nicht ins Wort fallen kann, sprudelt sie beständig Floskeln der Abwehr heraus, damit man ihr nicht auf die Schliche komme.
Ist nicht ihr permanentes durchaus unangenehmes Grinsen, das Grinsen eines Kerkermeisters, der, sich seiner Stellung sicher, die Daumenschrauben beim wehrlosen Delinquenten anlegt, und sich daran ergötzt, daß ein anderer leidet?
Dieser Tage bestätigte ein ehemaliger Lehrer im „Stern“, daß Frau Petry schon als Schülerin unangenehme Eigenschaften gehabt habe, eher Raffinesse als Klugheit. Es ist doch die Raffinesse des Klassenpetzers und Kofferträgers, die nur Menschen an den Tag legen, die schon von klein auf gezwungen waren, zu schmeicheln und zu liebedienen, um dem Zorn der Eltern zu entgehen. Und jetzt als Quasi-erwachsener kann sie sich räsonierend und schikanierend an anderen schadlos halten, wie man sich einmal an der ganz jungen Frauke Petry schadlos gehalten hat.
Und Björn Höcke, diese nicht wirklich charismatische Taschenausgabe eines Redners aus dem Dritten Reich, wie er unbeholfen versucht, wie Goebbels herumzufuchteln oder mit der Stimme zu spielen wenn er sich wie jener in schalen intellektuellen Zitaten suhlt, um dann doch wieder in rassistische Grobheiten zu verfallen. Zeugt nicht diese geduckte Gestalt, dieses unfrohe Lächeln bis Grinsen nicht auch von Anbiederung, meint man nicht bei seinen Tiraden zu hören: Ja, Papi, ich wird alles machen wie du willst? – weil er Angst hat, wieder geschlagen zu werden.
Inzwischen ist ja auch bekannt, daß Höcke vor allem von seinem Groß- und damit Übervater schon ganz früh rechtsnational und autoritär beeinflußt wurde, damit er zum Kerl heranwüchse. Doch wirkt er eher wie ein verschlagen-verschüchterter Halbstarker, der eine Riesenangst davor hat, ertappt zu werden, daß er die erträumte Männlichkeit bloß markiert.
Ach – und Beatrix von Storch…spürt man nicht in ihrer Patzigkeit, in ihrer mangelnden Eloquenz, die mit Grobheiten überspielt wird, das von Anforderungen (nicht nur der Moderne, sondern vor allem der Erzieher) überforderte Kind, dem die Welt im Sandkasten eigentlich genügte – so behandelt sie ja jetzt auch die Welt!
Und sind nicht dieser ausgehöhlte Blick, die Verschrecktheit und gleichzeitige Gier, die darin liegen, auch ein Zeichen für ungestillten Hunger? Resultiert dieses Gesicht nicht aus einer Zeit, in dem dem Kind aus Erziehungsgründen und zur Strafe Nahrung vorenthalten wurde – vor allem emotionale Nahrung vorenthalten – auch das als Strafe: geh weg, ich mag dich nicht mehr! In Frau von Storch sehe ich das verstoßene adelige Kind, das den Eltern nicht genügend Adel und Arroganz an den Tag legte. Jetzt aber will sie es ihren Eltern zeigen…
Nur so läßt sich die völlige Kälte des von Storch geforderten Schießbefehles verstehen und die Eisigkeit, mit der sie auch andere Forderungen der Entsolidarisierung und Menschenverachtung stellt.

Nein, ich sage nicht die Neurechten und ihre Wähler hätten alle eine schlechte Kindheit gehabt. Sie hatten gar keine, weil sie schon früh für die Zukunft diszipliniert, indoktriniert und gebrochen wurden, denn ihre Eltern und ihr Umfeld fürchteten sich vor dem Anderen des Kindes, dem ungeratenen Blag, das vielleicht nicht so werden wollte wie die Eltern. Also mußte es gebrochen werden und geblendet, damit es sein Zerbrochensein nicht bemerkte, nicht bemerkte, wer ihm das angetan hatte.

Sie stecken fest, die alten und neuen Faschisten, in diesem System des verkapselten Schmerzes und müssen es ununterbrochen erhalten und weitergeben an die nächste Generation, die wieder einschlagen soll auf Andere, Lebendigere. Und die immer wieder aus der Vergangenheit herausgekratzten Verbote und Grenzen, ohne die sie nicht können, halten sie ab, menschliche Lösungen für unsere drängenden Probleme zu finden. Sie schreien autoritär nach Obergrenzen, faseln von kriminellen Ausländern oder erfinden die Gender- und Homolobby als äußere Feinde, nur um nicht zu merken, daß sich der Feind längst in ihnen festgefressen hat.
So ein Mensch kann nur negativ, verneinend, zerstörerisch reagieren –ist unfähig, zu agieren; alles was er macht, ist eine Reaktion auf ganz frühe Kränkungen. Es gibt sie nicht nur bei den AfD-Anhängern, diese menschlichen Unglücke; aber in solchen Milieus ganz besonders viele.
Es gibt gewichtige Gründe…
…für das Auftauchen der Rechten: soziökonomische vor allem – die Angst abzurutschen und überrollt und in jedem sinne geschlagen zu werden.
Die AfD-Leute, PEGIDA und ihre Fans verhalten sich wie jenes Kind im Kinderwagen, das von seiner Mutter angeschrieen und beinahe geprügelt wurde. Sie schreien sich in Panik, Hysterie und vielleicht sogar Ohnmacht – aber wehe, wenn das Kind größer geworden ist, dann wird es ebenso um sich schlagen. Und die AfD und ihre Wähler sind kurz davor.
Die politischen, ökonomischen und sozialen Gründe jedoch erklären nicht den schwärenden und aufbrechenden Haß – der hat eine andere Ursache: jene Mißachtung der Zukunft, jenen Glauben, die Kinder müßten so werden wie die Eltern, jenem Wahn, man besitze das Kind, das gezügelt und gezogen werden muß, damit es zur Kopie seiner Eltern wird.
Kinder, die nicht so aufgewachsen sind, fallen als Erwachsene mit Sicherheit nicht auf Rattenfänger herein. Wer ein ungebrochenes Selbstwertgefühl hat und sich in den Anderen einfühlen kann, der wählt keine AfD und wird kein Rassist und wird niemals wie Alexander Gauland sagen, man solle sich von den Bildern ertrunkener Kinder im Mittelmeer nicht erpressen lassen. Nur wer diese Eigenschaften entbehrt, muß ja die anderen, die sie besitzen als Gutmenschen diffamieren, um seine eigenen Schurkereien zu legitimieren.
Selbstbewußtsein allerdings, das haben von Storch, Petry, Höcke und die anderen – eine mühselige Maske der Selbstbehauptung, die rasch zu grotesken Perchte wird und oft verrutscht und dann eben keine Fratze, sondern ein Antlitz der Leere sichtbar werden läßt.
Wir müssen es konstatieren – sie sind verloren für Anstand, Demokratie und Menschlichkeit, die AfD-Leute und ihre Wähler; aber nicht erst jetzt – dieser Verlust geschah schon ganz früh. Und aus diesem eigentlich tragischen Verlust speist sich ihr Haß.
25 Prozent der Bevölkerung sind offenbar von dieser Art, früh Zerbrochene, gierig nach Leben, zu dem sie nicht durchstoßen, neidisch auf andere, denen sie es vergällen wollen, wie es ihnen schon früh vergällt wurde. Sie bleiben verloren; die Politiker der anderen Parteien, irren sich, wenn sie meinen, diese Rechten zurückgewinnen zu können, denn die AfD bietet ihnen die bisher nicht gestattete Spielwiese für ihren Haß.

„Tödlicher Rosenkranz“

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Ab heute im Buchhandel – mein Roman, der sich auseinandersetzt mit der „Demo für Alle“, Schwulenhaß-und Verfolgung und der Bigotterie der Rechtschristen…

 

https://www.himmelstuermer.de/Neuerscheinungen/Toedlicher-Rosenkranz.html?listtype=search&searchparam=rosenkranz

 

Auch als E-Book:

https://www.himmelstuermer.de/Neuerscheinungen/Toedlicher-Rosenkranz-EPUB.html?listtype=search&searchparam=rosenkranz

 

 

Kommissar Thomas Grund trinkt zu viel, schläft kaum – und wenn hat er Alpträume. Eigentlich ist er in seine Heimatstadt Paderborn zurückgekehrt, um diese Probleme anzugehen. Doch schon der erste Mordfall, den er in Paderborn lösen muß, bringt ihn aus dem Gleichgewicht. Das Opfer war ein Schulfreund: Ein Schuß in den Hinterkopf, der Schädel gesprengt, die Füße grausam verstümmelt und daneben ein Rosenkranz vom Mörder bei der Leiche zurückgelassen.
Die Spuren führen den Kommissar zurück in seine Schulzeit auf einem katholischen Knabeninternat. Was er eigentlich vergessen wollte und doch sein ganzes Leben geprägt hat, der Mißbrauch durch einen Pater, spielt bald eine wesentliche Rolle bei der Aufklärung des Falles.
Grund war nicht das einzige Opfer des Paters. Offenbar hat der Mörder es noch auf andere ehemalige Schüler des Internates abgesehen und so wird die Aufklärung zu einem Wettlauf mit der Zeit.
Seine Untersuchungen führen den Kommissar ausgerecht in seine alte Schule, jetzt ein Tagungshaus, in dem ein katholischer Kongreß „besorgter Eltern“ stattfindet. Hier erfährt er, wie sehr Doppelmoral und Frömmelei das Leben junger Menschen zerstörte. Er begegnet ehemaligen Peinigern und einer prominenten Reihe von ewig Gestrigen, deren homophober Haß die eigentliche Ursache für die Morde und das Lebensunglück vieler Schüler des Internates waren.
Grund muß mit Erschrecken erkennen, daß die Vertuschung von Mißbrauch und fanatischer Schwulenhaß Mörder und Opfer in ein auswegloses Netz seelischer Verwirrung verstrickten.
Der Kommissar stellt sich nicht bloß seiner eigenen Geschichte, sondern kann am Ende den Mörder und auch den Verursacher der Leiden so vieler junger Männer identifizieren!

Wolfgang Brosche, freier Hörfunk- und Fernsehautor (WDR, DeutschlandRadioKultur), beschäftigt sich als Kolumnist (u.a. bei der Internetplatform TheEuropean) und Blogger (https://wolfgangbrosche.wordpress.com/) besonders mit dem fanatischen Kampf gegen Homosexuelle, den Gruppen wie die „besorgten Eltern“ und andere zumeist christlich geprägte Organisationen führen. Für seine literarischen Arbeiten über Homosexuelle im KZ und prägende Jugenderlebnisse des Filmregisseurs F.W. Murnau erhielt er den Literaturpreis der Stadt Düsseldorf und den Nordhessischen Literaturpreis.

 

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Totengräber

Was haben die AfD, die „Demo für Alle“ (DfA) und andere rechte Organisationen gemein

Wir sind einer sträflichen Illusion erlegen…nämlich der, daß es mit unserem bräsigen Wohlstand auf Kosten anderer immer so weiter ginge. Wir haben tatsächlich an das vom völlig inkompetenten Francis Fukuyama prophezeihte „Ende der Geschichte“ geglaubt und dachten, mit dem Ende des Ostblocks verheiße der allgegenwärtige Kapitalismus Reichtum und Demokratie für jedermann. Daß Kapitalismus keineswegs die Demokratie benötigt und Reichtum nur dann befriedigend ist, wenn er auf dem Rücken vieler zum Wohle weniger etabliert wird, hätten wir eigentlich bereits vor 25 Jahren wissen müssen – der kapitalistische Reichtum für alle ist unmöglich. Reich ist man nur, wenn andere weniger haben!
Nun drängen Arme und Verfolgte ins reiche Europa – und wir unterscheiden sie zynisch in Kriegs- und Wirtschaftsflüchtlinge. Dabei ist Krieg immer ein Verteilungskampf um Ressourcen und die Macht der Deutungshoheit; also die Fortführung der Wirtschaft mit anderen Mitteln.
Wir reagieren auf die als Bedrohung empfundenen Flüchtlinge und den Bruch der verlogenen Idylle wie eh und je – autoritär: mit Grenzen und Verboten, mit einer Wagenburgmentalität, die verkennt, daß die gedachten Belagerer nur lange genug belagern müssen, um uns materiell und vor allem geistig auszuhungern. Letzteres geht sehr schnell: Europa hat inzwischen seine geistigen Ressourcen der Freiheit des Denkens (Liberté), des menschlichen Miteinanders (Egalité) und des Mitgefühls (Fraternité) über die Zinnen seiner Festung geschmissen…das gilt nicht nur für die jeweiligen Länder, sondern auch und gerade für die einzelnen, eifersüchtigen, gierigen und geizigen Bürger…Die lassen sich vormachen von Neofaschisten und Neocons, es wären die Flüchtlinge und andere Minderheiten, die ihren wackeligen Wohlstand und ihre Illusionen von kleinbürgerlicher Sicherheit bedrohten.

Ein weiterer Faktor für den internationalen Rechtsruck wird unterschätzt: Wissenschaft, Technik und Ethik haben sich rasant entwickelt, aber viele sind davon rein materiell ausgeschlossen (z.B. HartzIVer etc.) andere intellektuell: es gibt große Gruppen, die nicht Schritt halten können weil sie schlicht nicht die geistigen Fähigkeiten dazu haben oder die aus Dummheit oder mangelndem Mitgefühl nicht willens sind, sich damit zu befassen. Aus ihnen vor allem rekrutiert sich das Heer der Reaktionäre in den neofaschistischen Bewegungen. Sie sind intellektuell und emotional nicht in der Lage Lösungen zu entwerfen, die die genannten Herausforderungen der Gegenwart – ich will sie Akutmoderne nennen – aufnehmen und gestalten könnten. Sie sind nur fähig die längst als ungeeignet erkannten Mittel der Vergangenheit zu repetieren: Grenzen, Aussperren, Repression in jeder Gestalt. Es sind autoritäre Mittel, gleichsam elterliche Mittel…die Mittel also, die Eltern anwenden, wenn sie merken, daß ihr Kind anfängt eigenständig zu denken und zu handeln: Verbote, Strafen, physische und psychische Grausamkeiten – oder einfach die Verweigerung der Diskussion, das Basta!
Die Sehnsucht, die Gier nach einem herbei phantasierten ewigen Ideal der Kleinbürgerlichkeit also des Kleinkindlichen, kaum des Laufens mächtig, geschweige denn der Welterfahrung, diese Sehnsucht alles unter sich gehen zu lassen, um der aufgeklärten Selbstbestimmung zu entgehen, nennen die Rattenfänger der AfD, der PEGIDA oder anderer neorechter Bewegungen tarnend „konservativ“ – sie tun so, als könnten und wollten sie erhalten, was immer im Fluss ist. Sie behaupten sie müßten und könnten etwas angeblich Bewährtes bewahren mit Hilfe der Unterdrückung des Anderen und Neuen. Das klingt nach einem evolutionären Impetus – einem (bewußt) falsch verstandenen. Denn wenn sich etwas bewährt hat, dann bleibt es in der Evolution bestehen. So lange bis neue Anforderungen Veränderungen verlangen.
Vielleicht läßt sich dieser Bestand für eine Weile durch die „konservativen“ Maßnahmen, die ja in Wahrheit reaktionär sind, halten; aber so wie der Wagenburg-Belagerung nicht ewig getrotzt werden kann, wird die Reaktion zwangsläufig an sich selbst scheitern. Dann mag humanes tabula rasa herrschen – aber die Kakerlaken werden sich ungestört weiterentwickeln.
Daß dieser Primitivdarwinismus (dieses Mißtrauen gegenüber der Menschlichkeit, wie wir augenblicklich in Europa erleben, gefeiert von Beatrix von Storch, Frauke Petry oder Marine LePen) nicht nur mörderisch nach draußen wirkt, sondern auch nach innen, wird verdrängt. Die Politik des Denunzierens, Verachtens, Aussperrens wirkt ja nicht nur nach außen, sie ist konstituierend für die Diktatur. Auch im Inneren muß ein strenges Regime, ein Bei-Fuß und Hab-Acht herrschen, damit der enorme Aufwand zur Diktatur auch diszipliniert durchgehalten werden kann. Deshalb muß vor allem nach innen überwacht und kontrolliert werden und bei Zuwiderhandlungen bestraft oder ausgestoßen und vernichtet. Und ein Leben ohne Zuwiderhandlungen ist nicht möglich – höchstens einem Roboter; also wird es irgendwann, man muß nur lange genug warten, jeden treffen. Auch das ist ein unbedingter Wesenszug von Diktatur und Faschismus: entweder Unterwerfung als gewissenlose Maschine oder aussortiert und vernichtet werden.
So erodiert ein autoritäres Gemeinwesen schließlich von innen. Der Niedergang des Ostblocks hat es gezeigt – allerdings erst nach Jahrzehnten und unter unerhörten Opfern…
Der Widerstand gegen oder die Abwehr dessen, was ich Akut-Moderne genannt habe, ist also die Verweigerung sich mit ihren aktuellen Herausforderungen ernsthaft zu beschäftigen und Neues zu wagen – wird auf die Dauer nicht nur nach außen, sondern vor allem nach innen zu altbekannten Strukturen führen: zur Disziplinierung durch Drohungen und Strafen, letztendlich zu Verfolgungen und Vernichtungen. Es kann für Gesellschaften, die reaktionär verfaßt sind, nie genug Minderheiten geben – ob Hexen, Juden, Homosexuelle, Schwarze, Behinderte etc. es müssen immer neue Sündenböcke her, deren alleinige Existenz die happy few, die die Deutungshoheit in Besitz haben, erst in ihrem wahnhaften Richtig- oder Gottgefälligsein bestätigen. Um diesen Wahn zu regeln erfindet man Moral, die in verschiedenen Masken auftritt: als Religion, Nationalismus, Patriotismus, als heilige Familie oder Vaterland.
So wird die Legitimation scheinbar nach außen ins Numinose, Unanzweifelbare, verlagert – deus lo vult, right or wrong my country etc. kann jede Brutalität, jedes Unrecht legitimieren durch Autorität, die letztendlich wie eben der autoritäre Vater Basta ruft und nicht mehr hinterfragt werden darf. Im Falle der Zuwiderhandlung wird draufgeschlagen – wie wir´s augenblicklich bei den rechten Bewegungen in ganz Europa beobachten müssen. Wer nicht mitmacht ist gegen mich und das Allgemeinwohl – was bei autoritären Menschen oder Bewegungen immer deckungsgleich ist. Der Gebrauch der Floskel etwa: „Wir sind das Volk“ verwischt die Grenzen zwischen Individuum und Allgemeinwohl und schraubt sich zu einem exklusiven Paroxysmus auf: wer nicht für uns ist, ist gegen uns – Minderheiten sind irrelevant.
Diese Vorrede war nötig, um die Mechanismen des europäischen Rechtsrutsches/ruckes zu erklären. Seine Ursachen sind Angst vor der Gegenwart und Zukunft, seine Mittel: aberwitziges Beharrungsvermögen und hysterisches Umsichschlagen und die Suche nach Sündenböcken. Solange man sich mit ihrer Beseitigung beschäftigt, muß sich nicht anstrengen, die Zukunft zu gestalten. Konsequent zuende gedacht heißt das: der Mord bewahrt die Beharrenden vor dem Zwang zu dieser Beschäftigung der Zukunftsgestaltung. Wer mordet, stellt sich nicht infrage, im Gegenteil, er bestätigt und legitimiert sich selbst seine unbezweifelbare Macht über Leben und Tod – das ist das innerste Wesen des Faschismus. Es ist einfacher zu morden als zu denken!

Und so komme ich zu einer speziellen Erscheinungsform dieser Beharrungskräfte, der „Demo für Alle“ und den Sumpfblüten ihrer Unterabteilungen, den zahlreichen ominösen katholischen und evangelikalen Kinderschutzorganisationen.
Während die Wanderburschen der PEGIDA-Spaziergänge auch mit Demonstrationen Aufmerksamkeit auf sich ziehen, aber tatsächlich eine Zusammenrottung von Maulmördern, geistig Zurückgebliebenen, empathielosen und intellektuellen Kleinverbrechern ist, stellt die „Demo für Alle“ ein anderes Kaliber dar. Die marodierenden Montagshorden nölen einfach gegen jeden und alles. Die „Demo“ dagegen hat bereits eine gezielte Stoßrichtung und befolgt wie nach dem Lehrbuch alle Schritte des Grundkurses Faschismus. Als erstes und vordringlichstes Ziel: such dir einen Sündenbock.
Zweiter Punkt: geniere dich nicht, immer ungeheuerlichere Lügen, Halbwahrheiten, erstunken-erlogene Geschichten und Unterstellungen zu erfinden und wiederhole sie ad infinitum, womöglich noch auf Symposien und Kongressen mit halbseidener Wissenschaftlichkeit – irgendetwas wird schon hängenbleiben.
Dabei besteht die Basis der ganzen Frömmelei und Demagogie der ganze fromme Überbau der „Demo für Alle“, die verlogene Sorge um Kind, Volk und Vaterland und die europäische Zivilisation, die durch Homosexuelle angeblich gefährdet werden, auf nur einer schlichten Formel der Dummheit und des Hasses:
Homosexualität ist per se schädlich und ansteckend!
Vermengt man das mit der christlichen Sexualpathologie, die hier wie eine obszöne Monstranz präsentiert wird: Sexualität ist nur gestattet zwecks Zeugung von Kindern, dann ist Homosexualität das Übel schlechthin; daß jüngst wieder Bischof Laun den Satan ins Spiel brachte zeigt, wie nahe man tatsächlich dem Sexualwahn der Hexenjäger und deren Verlangen nach Hexenjagd ist.
Wenn sich die Homohasser von Kuby bis Kelle, von Storch bis Beverfoerde zumeist noch winden und von psychischen Traumata oder Krankheiten schwafeln, dann ist das noch einem schwindenden öffentlichen Konsens geschuldet, Homosexuelle als gleichwertig anzuerkennen. Noch bis zur Aufklärung galten aber Kranke auch als Sünder, die von Gott mit der Krankheit bestraft wurden. Heute wird der Kranke mit verlogenem Mitleid bedauert und nicht mehr als „so schlimm“ wie ein Verbrecher angesehen.
Der Homosexuelle ist für die „Demo für Alle“ und ihre Kämpfer eben ein Kranker und leidet unter sich selbst wie uns der Weihbischof Andreas Laun in verlogener Bonhomie und zynischer christlicher Barmherzigkeit weismachen will.
Ach was, Barmherzigkeit und Zynismus sind das Gleiche – denn Barmherzigkeit ist die Eigenschaft des Tyrannen, er kann sie gewähren oder versagen, ganz wie es ihm beliebt. Und noch „gewähren“ die Homohasser der „Demo für Alle“ Barmherzigkeit – aber keine Bange, daß die heraufbeschworene internationale Homolobby ein Werk Satans sei, ist – ich schrieb es bereits – schon mehr als einmal aus dieser Fronde herausgerufen worden.
Deshalb meinen inzwischen auch wieder Scharlatane als Homoheiler auf den Plan treten zu dürfen, um den Dämon Homosexualität auszutreiben; ein christlicher Liebesdienst. Katholische Ärzte wollen gar mit Hahnemann´schen Tinkturen Homosexualität beheben. Esoterik, Hokuspokus und Schamanentum – aber das Christentum ist ja auch nichts anderes – sollen´s also richten.
Diese Verbrecher halten ihre Unternehmungen zur Pathologisierung und Heilung Homosexueller auch noch für großartige Dienste am Einzelnen und an der Menschheit, die sie davor bewahren, mit angeblich immer größer werdenden Zahlen in Sünde und Krankheit abzurutschen…
Aber wie gesagt, all das scheint noch christlich human (obwohl sich diese Adjektive eigentlich ausschließen) aber tatsächlich der bekämpften Aufklärung geschuldet, die das Andere, nicht Gefällige nicht mehr als dämonisch gelten lassen wollte und schlichte Verbrechen oder Krankheiten daraus machte bis uns die Erfahrungen des 20. Jahrhunderts dazu führten, den Menschen immer mehr Individualrechte in Sachen Freiheit, Meinung, Öffentlichkeit und endlich auch mehr Gleichberechtigung in Sachen Geschlechtergerechtigkeit und Sexualität zugestanden.
Das macht die Sachen zwischen Mann und Frau nicht einfacher – denn wir mußten feststellen, daß es mehr Geschlechter als Mann und Frau und mehr Sexualitäten, anderes Begehren, eigentümliche Sinnlichkeiten etc. gibt, als wir es bisher verstanden oder zuließen.
Dieser Aspekt der aufgeklärten Moderne überfordert viele wie die politisch-ökonomischen, technisch-ökologischen Wandlungen und Neuerungen viele überfordern. Und auch hier wird dieser Überforderung autoritär begegnet. Man erfindet einen Sündenbock und stattet ihn mit allen nur denkbaren verbrecherischen oder satanischen Eigenschaften aus: Homosexuelle sind pädophil, verbreiten Krankheiten, wollen alte Ordnungen zerstören, bedrohen Kirche, Staat, Familien durch ihre Gleichstellung etc. pp. – und davor, behaupten die Demo für Alle und ihre Führerinnen Kuby, Kelle und Konsorten, müsse man die Kinder schützen, deshalb holten sie auch so viele Pseudo-Kinderschutzorganisationen mit in ihr marodes Boot.
Tatsächlich geht es keineswegs um den „Schutz der Kinder“, sondern um die Herrschaft der Eltern. Nicht umsonst wird beständig die Formel vom „Elternrecht auf Erziehung“ ins Feld geführt. Das ist nicht denkbar ohne einen Terminus, den die Propagandistin und Theoretikerin des reaktionären Schwulenhasses, Gabriele Kuby, des Öfteren mit heiligem Ernst beschwört: den Terminus von der regulierten Sexualität. Wer soll hier regulieren, wer will hier wen erziehen? Regulation und Erziehung sind immer nur für die Regulatoren und die Erzieher da.
Die regulierte Sexualität wird seit 200 Jahren zum Rückgrat der Gesellschaft erhoben, da ohne diese Kontrolle angeblich Zivilisation nicht möglich sei. Das ist natürlich Unsinn und pseudofreudianisch – Foucault hat das genau untersucht – es geht hier tatsächlich um die Kontrolle der gegenwärtigen Generation durch die vorherige. Man will seinen „Besitz“ (den Besitzanspruch am Kind) nicht auslassen und wenn man dann doch eines Tages sterben muß, sollen wenigstens die Überlebenden schon so gebrochen sein, daß sie nicht einmal mehr merken, daß ihr sogenannter Konservatismus eigentlich der Wiedergänger der reaktionären Eltern ist.
Der „Demo für Alle“ geht es wie allen anderen rechten Organisationen um die Verhinderung der Zukunft, um die Hegemonie der Erwachsenen über die Heranwachsenden, um den Glauben, man könne sie so brechen, daß sie genauso stumpf und besitzergreifend werden wie ihre Eltern.
Was ich anfangs als faschistisches Verhalten beschrieben habe, die Abwehr der Zukunft, findet hier seine Entsprechung – nur daß die Abwehr der Zukunft hier deckungsgleich ist mit der Abwehr der eignen Kinder.
So wie zur Zeit die rechten Strömungen und Parteien die irren Vorstellung haben, man könne die Völkerwanderungen und die daraus entstehenden Veränderungen aufhalten, anstatt sie zu gestalten, versucht die „Demo für Alle“ die Menschlichkeit der nächsten Generation mit ihrer eigenen Unmenschlichkeit zu verhindern, ihre Lebendigkeit und Vielfalt, indem sie sie auf das noch nie funktionierende Ideal der Heteronormativität einschwören will.
Ob man nun im einen Fall Kinder im Mittelmeer ertrinken oder vor den Stacheldrahtzäunen Ungarns verhungern läßt, um die Bequemlichkeit des Sofawohlstandes weiter zu genießen oder ob man Heranwachsenden ein schlechtes Gewissen und verkorkstes Selbstbild anzüchtet, indem man andere Sexualitäten stigmatisiert und pathologisiert oder sogar die daraus resultierenden Depressionen, Traumata oder Selbstmorde in Kauf nimmt, ist sich gleich. Am Ende haben wir tote Kinder oder Zombies. Die einen versinken im Mittelmeer und die anderen bevölkern Europa und rülpsen in Parteien wie der AfD – und lassen noch mehr Kinder ertrinken.
Kein Wunder also, daß Diktaturen besonderen Wert darauf legen, das Andere, Fremde, Neue, Unangepaßte auszuschließen und Kinder (die das Fremde von morgen sind) in Zucht nehmen – deshalb wollte Hitler seine Jugend hart wie Kruppstahl und zäh wie Leder machen: Offenheit und Empathie sollten ihnen abgezüchtet werden; Drill und Disziplin sorgten dafür, daß sie nicht ins Nachdenken kamen und ihre eigenen Schmerzen und Widerstände verdrängten, bis sie sie nicht mehr wahrnahmen und somit unfähig wurden, sich in den Schmerz der Anderen zu versetzen. Zwischen einem Hitlerjungen oder einem Stalinpionier und dem VorzeigeUnschwulen Marcel, der sich das Schwulsein wegbetet und abzüchten hat lassen, besteht kein Unterschied: im Namen des jeweiligen diktatorischen Hegemons, des Vaters, des Führers, des Volkswillens oder der Barmherzigkeit des Christentums sind sie zurechtgemacht worden und dem patriarchalen Willen der Reaktion unterworfen – und sie schicken sich darein, bis sie erklären, daß Schläge ihnen nicht geschadet hätten, daß sie sie sogar verdient hätten, daß man eben hart gegen sich selbst sein muß, um dann auch hart gegen andere sein zu können.
Die „Demo für Alle“ will unter der Lüge des Kinderschutzes dafür sorgen, daß ihre patriarchalen Primitivitäten, mit denen schon ihre Mitmarschierer einmal gebrochen wurden, weitergetragen werden. Sie wollen weder Vielfalt noch individuelles Glück oder wenigstens die Möglichkeit dazu. Man versteckt sich hinter Hohlformeln wie Gott, Führer, Volk und Vaterland oder dem Wahn von der Heiligen Familie.
Daß dabei die religiös Rechten von Hedwig von Beverfoerde über Mathias von Gersdorff bis Hartmut Steeb ungeheure (und ungeheuerliche) Schnittmengen mit den politisch Rechten haben, zeigt der Schulterschluß mit der AfD in Gestalt von Beatrix von Storch, die die Organisation der Demos übernommen hat.
Kern des reaktionären Denkens in der AfD ist das numinose Gejaule: „Früher war alles besser“, da herrschten noch Ordnung, Zucht und Disziplin. Man braucht nur Programme der Landesverbände und der Bundespartei zu lesen: unter dem Vorwand von Deutschtum, Volk und Vaterland, der drei-Kind-Familie mit dem Vater als Führer der häuslichen Gemeinschaft, geht es immer um das Einschränken der Freiheit der Meinung, der Sexualität und des selbstständigen Denkens: die Presse soll kontrolliert (Vorbild Polen), die Kunst auf bestimmte Programme verpflichtet (Theater z.B. sollen mehr deutsche Klassiker spielen) und vor allem Kinder und Jugendliche wieder ins Erziehungskorsett der Disziplin (und was das ist bestimmt die AfD) eingezwängt werden:
„Verstoßen Schüler und Schülerinnen gegen die Disziplin, werden sie in „Benimmkursen“ ausgesondert. Eltern haben diese „Nacherziehung“ zu bezahlen, sind sie dazu nicht in der Lage, müssen sie mit „Zwangsarbeit“ die Kosten dieser „Dienstleistung“ an Schulen abarbeiten.“
In diesen dürren Worten aus dem Parteiprogramm der sächsischen AfD ist eigentlich der ganze Terror ehemaliger Nazi-Zwangsmaßnahmen beschrieben. Wer sich nicht unterwarf, der wurde ins KZ oder Gefängnis gesteckt und wenn er womöglich hingerichtet wurde, dann mußten seine Angehörigen noch die Kosten dieser Hinrichtung tragen.
Ich spreche bewußt von Hinrichtung – denn den Autoritären, ob im III. Reich oder denen aus AfD und PEGIDA, geht es darum, den Anderen, den eigenständig Denkenden und Lebenden zu brechen und zu Zombies ihres Willen zu machen.
Nichts anderes wollen die Homohasser der „Demo für Alle“; wir brauchen nur einige Vokabeln aus dem unerhörten AfD-Text auszutauschen – und dann wären deren Träume erfüllt.

Die „Demo für Alle“ und ihre bereits genannten Vertreter und Anhänger haben längst den Schulterschluß mit der Neuen Rechten vollzogen. So wie Frauke Petry und Beatrix von Storch keine Probleme damit haben, auf Flüchtlinge zu schießen, werden jene auch keine Probleme damit haben, Maßnahmen zu ergreifen, die ihnen nicht Genehmen auszusondern, zu therapieren und im Falle des Widerstandes auch zu beseitigen.
Aber warum dieser Haß? Homosexuelle nehmen ihnen nicht die Ehe, nehmen Familien nichts weg, wenn auch sie Kinder haben, nehmen keinem Heterosexuellen etwas weg, wenn sie gleichberechtigt und in gleicher Sichtbarkeit in der Öffentlichkeit erscheinen.
Doch – sie nehmen den Schwulenhassern etwas weg…wie weiland die gleichberechtigten Juden den Rassisten etwas wegnahmen: das faulige Recht, sich besser zu fühlen, etwas Besseres zu sein, das Mütchen zu kühlen am Anderen, auf ihn zu spucken, Witze zu reißen – sich erhabener und mächtiger zu fühlen. Diese gnadenlosen falschen Gewißheiten der Hierarchie, in denen sich die religiösen Schwulenhasser ebenso sonnen wie die faschistischen Antisemiten, brauchen sie, um ihr erbärmliches Dasein zu rechtfertigen. Wenn man sich Untermenschen heranzieht, dann muß man selbst ja besser sein – und jeder Sadismus wird gerechtfertigt.
Es ist keine Homophobie, die die Schwulenhasser der „Demo für Alle“ antreibt, es ist auch keine „Xenophobie“, die die Neofaschisten beflügelt – es ist die furchtbare Angst, man sei anderen gleich und gleich viel wert. Denn was die Schwulenhasser der „Demo für Alle“ und die Fremdenfeinde eint, ist die hysterische Angst, sich nicht mehr als etwas Besseres zu fühlen, die Deutungshoheit, ja die Hoheit, zu verlieren durch Emanzipation und Demokratie.
Da ist jeder verfahrene Gedanke, jede Pseudowissenschaftlichkeit recht, um ein Potemkinsches Dorf der Abwehr aufzubauen: von Peter Sloterdijk über Götz Kubitschek bis Gabriele Kuby: der autoritäre Charakter rechtfertigt sich nur, wenn er Untermenschen hat.
Es lohnt deshalb auch nicht, sich mit den Pseudoargumenten, die jene mantramäßig immer wiederholen, auseinander zu setzen. Sobald diese Leute politische Macht erlangen, pfeifen sie auf diesen Rechtfertigungsunterbau.
Die AfDler werden auf politische Gegner schießen, sie absondern, einsperren und beseitigen. Kommt mit ihnen die „Demo für Alle“ in die Position Macht auszuüben, wird sie nichts anderes tun.
Wenn also schwule Irrläufer wie David Berger oder Mirko Welsch sich diesen Kräften andienen, dann kann man diese Thanatos-Regungen nur ihrer kognitiven Dissonanz zuschreiben; wenn man freundlich bleiben will.
Kein Zweifel: Was die AfD für die liberale Demokratie ist, nämlich ihr Totengräber, das ist die „Demo für Alle“ die Homosexuellen!

Es gibt keinen bürgerlichen Schwulen – zum „Fall“ Voker Beck

Der Grünen-Politiker Volker Beck wurde in Berlin von der Polizei mit Crystal Meth erwischt. Er trat von seinen vielfältigen Ämtern zurück.

Das Ende einer Illusion
Für viele, zumeist unpolitische, homosexuelle Menschen ist Volker Beck eine Gallionsfigur: jetzt kann er es nicht mehr sein – er hat sich erwischen lassen! Das ist das Ende einer Illusion
Der rechtspolitische Sprecher der Bundestagsfraktion der Grünen galt als seriöser, bürgerlicher, schwuler Mann. Um das zu bekräftigen, nannte er sich selbst wertkonservativ. Das Schwule an ihm konnte man nicht mehr wahrnehmen: er trägt – und das wird hier nicht zum Spott, sondern zur genauen Beschreibung seines Images erwähnt – die unauffälligen Anzüge eines Sparkassenfilialleiters, schunkelt beim Vereinskarneval, erwähnt immer dezent seine Verpartnerung und wagt sogar, sich nach dem Tod seines Lebensgefährten, raunend einen Witwer zu nennen.
So konnte man ihn ertragen, den in mancherlei Hinsicht im bürgerlichen Milieu angekommen gemäßigt-linksgrünen Homosexuellen. Als Drogenkonsument hat er sich aber aus dieser Behaglichkeit wieder herauskatapultiert. Ich höre schon die Fraktion der Homohasser um Birgit Kelle, Gabriele Kuby und Hedwig von Beverfoerde triumphierend schreien wie Recht sie hätten vor den Homosexuellen zu warnen, denn die seien tatsächlich labil, krank und anfällig für psychische Defekte und Süchte. Andere heucheln Barmherzigkeit und Mitleid und wollen für den Christen Beck sogar beten.
Das Phantasma vom bürgerlichen Schwulen
Stunden bevor die Meldung über Becks Fall durch die Medien ging, blies der schwul-katholische Obermaulwurf David Berger seine üblichen Jerichoposaunen über die Unwählbarkeit der „Linksgrünen“ für Homosexuelle und brachte damit wieder nur eine weitere Drehung seiner reaktionären Spaltschrauben, die er in die homosexuelle Community bohrt.
Dabei wäre gerade für Berger und seine Anhänger (denn bei dieser Fraktion handelt es sich um eine obskure rechte Sekte)Volker Beck die Realisierung des Phantasma vom bürgerlichen Schwulen. Er war Berger natürlich nicht bürgerlich genug, deshalb flickte der Beck am Zeuge mit völlig absurden Anwürfen der Verteidigung von Pädophilie…diesen schmutzigen Pädotrumpf ziehen Reaktionäre wie Berger natürlich immer aus dem Ärmel, wenn sie Homosexuelle diskreditieren wollen.
Hier gilt es allerdings zu erwähnen, daß Berger ohne Rücksicht auf Verluste und ohne Skrupel wie er es bei seinem Aufstieg in der katholischen Kirche gelernt hat, vor keiner Schmutzigkeit und Denunziation zurückschreckt, wenn er meint, sie bringe ihm persönlich Vorteile.
Aber das sind ja die Methoden der Bürgerlichkeit, die ausgerechnet Berger so sehr ersehnt und die seine Anhänger ebenso inbrünstig erhoffen: die angebliche Gleichstellung der Homosexuellen mit Trauschein, IKEA-Sofa, Gartenlaube, gemeinsamem Bausparvertrag und kleinbürgerlichem Maulzerreißen hinter vorgehaltener Hand über andere – nur manchmal macht man sich in den Schatten und mit hochgeschlagenem Mantelkragen auf in die erotisch-nächtlichen Abseitigkeiten der Homosexualität. Wenn keiner davon erfährt ist es gut, denn ansonsten wäscht man ja seine Hände in Unschuld und das Klatschmaul mit Rosenseife – das ist so die Hygiene der bürgerlichen Schwulen.
Nun also hat es Volker Beck auf einer solchen (nicht mal exklusiv schwulen) Nachtseite erwischt. Man wird es ihm – daran ist nicht zu zweifeln – als schwule Verfehlung auslegen, die nicht zu verzeihen ist.
Natürlich wird es noch mehr Drogenkonsumenten unter den Parlamentariern aller Fraktionen geben und ebenso genug mit originellen sexuellen Gelüsten jenseits der Missionarsstellung. ABER: man darf sich eben nicht dabei erwischen lassen, dann ist die bürgerliche Fassade perdü!

Der Bürger – Bourgeois oder Citoyen
Die deutsche Vorstellung von „Bürgerlichkeit“ besteht aus einem Normenkorsett des viktorianischen 19.Jahrhunderts – noch immer; sie ist Traum und Alptraum zugleich. Der Traum verheißt Ansehen, Respekt und Wohlstand – vor allem Wohlstand, für den man sich nicht bloß krummlegen, sondern tatsächlich verbiegen muß.
Und das ist der Alptraum: Anpassung an die Normen und in jedem Falle lügen, vertuschen, hinter dem Berg halten und mit der Menge krähen. Damit wir uns recht verstehen: krähen heißt petzen, übel nachreden, schmeicheln, schmusen und die Cour schneiden.
Seine Individualität, sein Gerechtigkeitsempfinden, so zu vernichten ist schon ein Alptraum, aber erfährt seine Potenzierung in der Gewöhnung daran. Irgendwann merkt man gar nicht mehr, wie sehr man sich verneint und verleugnet und damit auch die anderen. Bürgerlichkeit heißt eigentlich: der stets verlogene und heuchlerische Umgang miteinander – und wer da nicht mitmacht, der fällt raus aus dieser bösartigen Gnade…
Die französische Sprache hat uns mit einem Wort dafür versorgt: diese Bürger nennt man in Frankreich: Bourgeois und meint damit den satten aber gleichwohl immer gierigen Tartüffe. Dieser Bürger hat nichts mit dem gleichberechtigen und freien und autonomen Citoyen zu tun, einer politisch-bewußten Existenz ( darunter verstehe ich natürlich kein FDP-Mitglied!!! )
Das bourgeoise Lügenkonstrukt gilt umso mehr für die Homosexuellen, die sich nach Bürgerlichkeit sehnen. Das sind jene, die es verlangt nach Ehegattensplitting, kirchlichen Trauungen mit Blumengebinden und ehelichen Schlafzimmern mit einem Schutzengelgemälde überm Doppelbett.
Um all diese Annehmlichkeiten zu erhalten, fügen sich ja schon die Heterosexuellen in ein Normengeflecht und Gerüst, das sie mit seinen Anforderungen erdrückt. Die Homosexuellen müssen doppelte Lügenanstrengungen unternehmen. Diese ersehnte Bürgerlichkeit ist per se eine heterosexuelle – deshalb auch der Aufstand der Reaktionäre gegen die Forderungen nach der Ehe für Alle oder die Möglichkeit zur Adoption. Das sind tatsächlich heterosexuelle Privilegien, deren Verlust jene Schreier fürchten- sie sind dann nichts Besonderes, Herausgehobenes, Ausgezeichnetes mehr.
Die bürgerliche, die Bourgeois-Gesellschaft ist heterosexuell bis in ihr verlogenes autoritäres Mark. Das war sie vor 200 Jahren, als sie entstand und das ist sie bis heute. Sie kann sich nur über Ausgrenzungen definieren. Es muß immer einen Anderen, Verkehrten, nicht ganz Richtigen, Schmutzigen geben – nur auf diesem Hintergrund kann man selbst leuchten. Und wer dunkel und nachtseitig ist, bestimmen natürlich, lieber Bertold, sei Dank, die im Lichte!
Und wenn Homosexuelle in der bourgeoisen Gesellschaft dilettieren, dann gerinnt das immer zu Karikatur, die spätestens als das erkannt wird, was sie ist, wenn sie an der Herstellung der bürgerlichen Fassade scheitern wie jetzt Volker Beck.

Homosexuelle wollen Bourgeois sein, aber nicht Citoyen
Schon vor 45 Jahren beschrieb Rosa von Praunheim den Homosexuellen, der sich nach der Bürgerlichkeit sehnt, in seinem Film „Nicht der Homosexuelle ist pervers…“. Damals zeigte er, daß diese Homosexuellen noch spießiger, noch angepaßter noch denunziatorischer (wie wir es besonders im Falle David Bergers sehen) sind als die üblichen opportunistischen Heterosexuellen. Sie äffen die Lügenwelt der Bourgeoise bis zur Groteske nach und scheitern dennoch. Weil nämlich schon das Vorbild, dem sie nacheifern, in sich bigott, verlogen und menschverachtend ist. Der Bürger ist das nichtauthentische Zerrbild eines Menschen; das ist schon für Heterosexuelle eine erschreckende Erkenntnis – umso mehr für einen Homosexuellen.

Damit wir uns recht verstehen, Volker Beck ist ein Redlicher – er glaubt als religiöser Mensch tatsächlich, daß es den Lieben Gott gibt wie die bürgerliche Ehe und für alle Menschen ein bürgerliches Wohlgefallen mit Sparkonto ohne Negativzinsen und dem heute alltäglichen Sonntagsbraten. Er hat mit Mut und Zähigkeit für die Verpartnerung und die Ehe für alle gekämpft, ebenso ironischerweise für eine Liberalisierung der Drogengesetze. Daß er sich allerdings auch für das Recht auf Knabenbeschneidung einsetzte, ist seiner eben auch bürgerlich-religiösen kognitiven Dissonanz zuzuschlagen.

Oberstes Gesetz: Du darfst dich nicht erwischen lassen
Jetzt hat sich Beck einen gravierenden Fehler geleistet, den ihm diese bürgerliche Gesellschaft nicht verzeihen wird: er hat sich erwischen lassen. Dabei hat er sich – und das ist anerkennenswert – so angestrengt und aufgerieben bei seiner politischen Arbeit, daß es wohl ohne die Entlastung durch Drogen nicht mehr ging. Ich kann es ihm nicht verdenken, denn das falsche Spiel in der bürgerlichen Demokratur ist mitunter nahezu mörderisch und ohne risikoreiche Selbstausbeutung und Betäubung nicht durchzuhalten. Da muß man zu Hilfsmitten greifen. – Nur: die vielen anderen sind eben nicht erwischt worden. Und das oberste Gesetz der Bourgeoisie heißt: Du darfst dich nicht erwischen lassen…denn sonst lassen wir dich fallen wie eine heiße Kartoffel.
Wird so ein „Fehlverhalten“ entdeckt, bricht die Fassade, dann veranstalten die Selbstgerechten Freudentänze auf den Ruinen eines Lebens und einer Lebensanstrengung. Man ist gescheitert innerhalb des bürgerlichen Komödien- und Maskenspieles.
Die Homosexuellen, die sich so sehr nach „Normalität“ sehnen – wie jüngst auch wieder einmal von dem inkommensurablen Mirko Welsch von der „Schwulen Plattform“ in der AfD zu lesen – und das mit „Bürgerlichkeit“ gleich setzen, fallen ob ihrer Dummheit und/oder Gutgläubigkeit immer auf die Nase. Bürgerlichkeit ist eben nicht das faule Ausruhen auf dem Sofa oder dem geistigen Campingstuhl im Schrebergarten, es ist ein stetes Balancieren auf einer Schneide, man darf weder das heikle Gleichgewicht nach der einen oder anderen Seite verlieren und schon gar nicht einen Fehltritt riskieren, sonst zerteilt einen diese Schneide.
Jetzt hat sie Volker durchschnitten, abgeschnitten von seinem Image, seiner Redlichkeit, die keine Rolle mehr spielt und von seiner vergeblichen Normalität.
Bürgerliche Normalität heißt Assimilation
Bürgerliche Normalität, das ist Assimilation. Assimilation heißt Aufgabe, die Aufgabe des Eigenen, der Persönlichkeit in allen ihren Facetten. Den Druck dieser Assimilation kann man vielleicht zeitweise erleichtern z.B. durch Drogen (das gilt natürlich auch für die heterosexuellen Abgeordneten). Doch all das kostet einen Preis…am Ende kann man nur scheitern.
Das ist im Falle von Volker Beck tragisch – aber bei den vielen Homosexuellen, die sich wie dressierte Äffchen der bourgeoisen Normgesellschaft anbiedern, nur noch grotesk.
Und schließlich gibt es noch Zombies, jenseits von Gut und Böse, die die Anpassung vollständig durchlaufen haben wie das Korn das Mahlwerk in der Mühle. Am Ende des Zermahlens bleiben nur noch Hülsen übrig. So wie bei jenem zur traurigen Berühmtheit gelangten Marcel, dem domestizierten, kastrierten und evangelikal-verblödeten Schwulen, den man nun regelmäßig bei den „Demos für Alle“ vorführt. Er repräsentiert die einzige Lebensmöglichkeit, die der Normbürger dem Schwulen so gerade eben noch zugestehen mag: als Zombie im Käfig seiner Entäußerung, der Entfremdung von sich selbst.
Das traurige Scheitern Volker Becks, der allerdings gegen solches Zombietum gekämpft hat, aber zwangsläufig scheitern mußte, zeigt uns:
Es gibt keine bürgerlichen Schwulen!

P.S.
Und siehe; nur zwei, drei Stündchen nach dem Schreiben dieses Textes, wirft die erwähnte Birgit Kelle auf ihrer Facebookseite triumphierend Dreck ins Netz: zur „Feier des Tages“ will ausgerechnet sie sich noch einmal „Breaking Bad“ ansehen, jene Serie über einen amerikanischen Klein- und Spießbürger, der groß ins Drogengeschäft einsteigt. Sie feiert natürlich den Fall eines Feindes und den fauligen Sieg ihrer Selbstgerechtigkeit.

Bürgerlichkeit, Bigotterie und Häme sind Synonyme. Und Kelles Adepten jubeln, daß ein linksgrünversiffter Schwuler, aus der erträumten Bürgerlichkeit gefallen ist.
Volker Beck hat guten Glaubens und Gewissens versucht, auf demokratischem Wege für Homosexuelle eine gleichberechtigte „Citoyen-Bürgerlichkeit“ zu erreichen. Er ist gescheitert am Doppelsprech, an der Verlogenheit, an der bourgeoisen Welt der Spieß-und Kleinbürger; alle Assimilation und Anpassung haben ihm nicht geholfen.

Ich bin kein Karzinom, Frau Kuby

Eigentlich wollte ich mich ja längst mit den Haß-Phänomen AfD und PEGIDA beschäftigen und die hilflose Frage beantworten woher dieser anscheinend plötzliche Ausbruch an Menschenfeindlichkeit rührt. Aber vorher muß ich mich noch mit einem ähnlich gelagerten Phänomen und einer Person beschäftigen, die sich bemüht in gleicher Sache – der Menschenverachtung nämlich – immer weiter Öl ins Feuer zu gießen und sich dabei auch noch für freundlich und gerecht hält.

Ich mißtraue Leuten, die immer so gut wissen wollen, was ihr Gott von ihnen verlangt, weil mir auffällt, daß das immer mit ihren eigenen Wünschen übereinstimmt.
Susan B. Anthony, amerikanische Suffragette

 

 

„Ich liebe doch alle, alle Menschen“ stotterte der debile Erich Mielke bei seiner letzten Rede vor der Volkskammer der DDR in die Mikrophone. Er wurde ausgelacht, ausgebuht und ausgepfiffen weil er Lügen erzählte, denn man wußte, daß er als Stasichef über Jahrzehnte Menschen ausspionieren, korrumpieren, einsperren, foltern und sogar hatte töten lassen. Nun war er ein alter, jämmerlich-jammeriger, kranker und verwirrter Mann, dem jedes menschliche Mitempfinden abging und dessen ideologischer Zynismus ihm zur zweiten Natur geworden war. Eine jetzt groteske einmal aber sehr gefährliche Figur der Zeitgeschichte. Sein Versuch der Reinwaschung war ein fast schon wieder bemitleidenswertes Tattergreistheater.
Bei Gabriele Kuby verhält es sich nicht so – sie ist im Vollbesitz ihrer katholischen Kräfte und versucht sich nun mit einem juristischen Rundumschlag gegen ihre Kritiker zu wehren. Sie will sie mundtot machen mit Unterlassungserklärungen, wie es ihr dieser Tage beim Deutschlandradio schon gelungen ist und sie wird es weiter versuchen mit einer angekündigten Klage gegen den Autor und Regisseur Falk Richter und sein Stück FEAR.
Natürlich ist das ein Versuch, die Kunstfreiheit auszuhebeln, wie ihn auch schon Kubys Mitstreiterinnen Beatrix von Storch und Hedwig von Beverfoerde mit ihrer Klage gegen FEAR unternommen haben. Diese beiden Aristokratinnen sind allerdings vor demokratischen Gerichten gescheitert. Immer wieder versuchen Fundamentalreligiöse die Demokratie in ihrem Sinne mithilfe demokratischer Prinzipien zu schädigen und so ihren niederschmetternden Einfluß auf Kultur und Politik zu nehmen.
Bisher ist es ihnen glücklicherweise noch nicht wirklich gelungen. Und auch Frau Kuby darf dies nicht gelingen, das wäre ein entschiedener Ruck der Justiz nach rechts und käme den rechtskatholischen Kämpfern gegen Gender, Frauen- und Schwulenrechte, die von halbtheokratischen Zuständen träumen wie sie bereits in Ungarn oder Polen herrschen, zupaß.
Kubys angekündigte juristische Kampfmaßnahme gegen FEAR muß noch verhandelt werden…und der tapfere Falk Richter wird sich zu wehren wissen. Eine weitere Kampfmaßnahme soll aber nicht untergehen in all dem Getöse, das sie anrichtet:
Auf ihrer Internetseite
http://www.gabriele-kuby.de/wortmeldungen/#c518
nimmt Kuby auch Stellung zu einem Artikel des Kollegen Stefan Böker von der „Kreuzlinger Zeitung“ in einer typisch kathol-bigotten Manier, die ihr tatsächliches Doppelsprech entlarvt, wenn man richtig lesen kann – ein Versuch der Reinwaschung, die weiland Erich Mielke besser gelungen wäre, hätte er noch seinen alten, raffinierten Verstand und Apparat gehabt.

 

Exkurs
Obwohl – einen Apparat, eine Anhängerschaft und keine kleine, die ihr an den unfreundlichen Lippen hängt, hat Kuby auch. Die randaliert gegen Homosexuelle und die Genderwissenschaft auf Internetseiten wie „kath.net“ oder der „Demo für Alle“ in haßerfüllter Manier; vor allem mit den uralten Insinuationen der Pathologie, Ansteckung und der Pädophilie wie sie sich durch Kubys Bücher ziehen – bei ihr allerdings immer haarscharf an der Grenze des Justiziablen vorbei. Doch was sie schreibt, fällt auf verseuchten Boden. Ihre Fans sind weniger vorsichtig…und so war denn dieser Tage in einem – selbstverständlich anonymen Post – ein Erfolg der Giftinjektionen ihrer Schriften selbst auf einer liberalen Seite wie „telepolis“ zu lesen; ein Kommentar zu einem neuen Gesetz in Portugal, das es auch Homosexuellen erlaubt, Kinder zu adoptieren – Frau Kuby kämpft dagegen wie eine Megäre – http://www.heise.de/forum/Telepolis/Kommentare/Homo-Paare-duerfen-nun-doch-in-Portugal-adoptieren/Denkt-da-auch-wer-an-das-Wohl-des-Kindes/posting-24521066/show/ : „Wer garantiert mir eigentlich, daß es sich bei einem Homo-Ehepaar um zwei schwule Männer mit Kinderwunsch handelt und nicht um eine Zweckgemeinschaft von zwei Pädophilen, um an ein Kind ranzukommen?“
Daß die meisten Opfer von Mißbrauch Kinder in heterosexuellen Zweckgemeinschaften sind, wird schlichtweg nicht zur Kenntnis genommen. Übrig soll bleiben „die Homos sind an allem Schuld!“
…und zwar in dem Sinne wie es einmal „Die Juden sind an allem Schuld“ hieß.
Die Selbstfußwaschung
Aber schauen wir uns Frau Kubys „Selbstsäuberung“ genauer an, in der sie sich als liebenswürdige Dame mit Hang zur Weltrettung beschreibt und behauptet, wer Gegenteiliges von ihr sage, betreibe Rufmord… Folterwerkzeuge präsentieren, um ihre Gegner einzuschüchtern wie einst die Hexenjäger, kann sie sehr gut.
Kuby klagt, die „Behauptung“ sie sei schwulenfeindlich, sei demagogisch… darauf sage ich: ihr ganzes Treiben und Wirken, fast sämtliche ihrer Schriften beschäftigen sich mit nichts anderem, als ihrer Abscheu vor Homosexuellen. Sie ist regelrecht – wie ja der gesamte Rechtskatholizismus seit Benedikt-Ratzinger – besessen vom Thema Homosexualität. Mit dem intellektuell ungeheuerlichen Diktum von der „Diktatur des Relativismus“ hat jener emeritierte Papst die Tore zum Kampf gegen die Moderne, gegen die Demokratie und die Wissenschaft erneut eröffnet und steht damit Pius IX. in seinem Haß auf den freien und frei denkenden Menschen in nichts nach. Benedikts Diktum von der „Diktatur des Relativismus“ ist gleichsam eine Kurzform des „Syllabus Errorum“.
Wie wichtig in diesem Kampf gegen die Moderne stigmatisierte Feinde sind, ließ sich vor kurzem beim Treffen von Papst Franziskus und dem Russisch-Orthodoxen Patriarchen Kyrill auf Kuba beobachten. Wichtigster Punkt ihrer ersten ökumenischen Erklärung nach Tausend Jahren Streit und Trennung war natürlich die Klage über Homosexuelle und Homoehe, die die angeblich gottgewollten Familienstrukturen zerstörten. Dabei darf man nicht vergessen, daß Kyrill jüngst erst wieder die russischen Gesetze zur Diskriminierung Homosexueller für viel zu lasch hielt und eine erneute Kriminalisierung und Bestrafung gefordert hat.
Gabriele Kuby, um zu dieser menschenliebenden Autorin zurückzukehren, bewundert den Patriarchen Kyrill, seit sie ihm im Jahr 2014 bei einem Kongreß im Kreml begegnet ist; aber da wir uns nicht in der illiberalen Demokratur Rußland befinden, wird sie natürlich den Teufel tun (hehe!) solche Forderungen wie Kyrill in Rußland bei uns in Deutschland laut zu stellen.
Im Gegenteil sie verschleiert – sie schreibt auf ihrer Webseite, sie bejahe das Recht homosexueller Menschen nach ihren Neigungen zu gestalten. Das klingt als habe sie beim Schreiben Gummihandschuhe getragen, um sich nicht zu besudeln.
Es geht nicht um „Neigungen“ – und jetzt adressiere ich Sie persönlich, Frau Kuby. Es geht um Menschenrechte, gleiche Rechte, Gleichberechtigung! Aber Sie behaupten ja, man könne Ungleiches nicht gleich behandeln – damit eine Metaebene einführend, die der üblichen Rechthaberei der Fundamentalkatholiken entspringt – Sie, Gott und die Religion schweben über Allem und Demokratie und Menschenrechte sind nachrangig!
Ihre Formulierungen klingen nach herablassender Gnade und Gönnerschaft –
„Wohltätigkeit ist das Ersaufen des Rechts im Mistloch der Gnade“ – Pestalozzi
…und darum glaube ich Ihnen, Frau Kuby, wie weiland die Abgeordneten in der Volkskammer Erich Mielke, natürlich kein Wort. Nicht eine Silbe!
Denn dieser Beteuerung folgt in der Manier: „ich habe doch nichts gegen Juden…“ das große AAAAber:
„Daß aber unterschiedliche sexuelle Lebensstile auch mit unterschiedlichen Risiken behaftet sind, ist eine zweifelsfrei belegte Tatsache…“
Wenn Sie mit den „belegten Tatsachen“, Frau Kuby, Ihre Publikation „Die globale sexuelle Revolution meinen“, dann nenne ich das einen „gish-gallop“. Verbissen ein namenloses fast zu Tode gerittenes Pferd besteigen und davonreiten.
In der üblichen Manier der sexualpatholigischen Rechtskatholiken gehen Sie davon aus, daß „sexuell“ sowieso ist immer negativ ist, wenn nicht ehelich und missionarisch… was soll überhaupt ein sexueller Lebensstil sein? Das ist eine ebensolche Flachsinns-Vokabel wie die völlig unwissenschaftliche von der „Frühsexualisierung“, mit der die Phantasten der kindlichen Reinheit um Hedwig von Beverfoerde hausieren gehen.
Weiters schießen Sie, Frau Kuby, mit der dicken Berta Ihrer Einbildungskraft (viel Einbildung ist dabei) und behaupten, wer auf diese ominösen „Risiken“ hinweise, sei ebenso wenig schwulenfeindlich „wie es raucherfeindlich ist, auf die Risiken des Rauchens hinzuweisen.“
Nein, Frau Kuby, diese metaphorische Verklitschung lasse ich Ihnen nicht durchgehen – Ich bin kein Karzinom, Frau Kuby…
Denn letztlich insinuieren Sie das: Homosexualität führt nicht nur physisch, sondern vor allem psychisch und gesellschaftlich zu krebsartigen Verwachsungen. DAS sagen Sie hier, nichts anderes! Daraus folgt dann natürlich – daß Homosexuelle krank, wider- Naturrecht-natürlich und behandlungsbedürftig seien und bei Widerstand in Quarantäne zu schicken sind; oder Schlimmeres, um die Volksgesundheit zu schützen.
Jaja, ich weiß, Sie sind raffiniert genug, solche Forderungen nicht explizit zu stellen, das tun dann schon Ihre Anhänger für Sie. Sie selbst aber sind seit Jahren unterwegs jede Liberalisierung der Gesetze, die Homosexuelle betreffen, vehement zu bekämpfen mit der Formel, wir seien ungleich und man könne uns deshalb nicht gleichstellen. Ein rhetorischer Trick, der eine Metaebene einführt…das ist Ihr katholischer Wille, der deshalb göttlich sei, und Gott steht über dem Gesetz, über der Demokratie und der Menschlichkeit (weil eben Gott) – Gott denkt immer das, was seine Lobpreisenden denken. Es ist schon erstaunlich, daß Gott immer mit Ihnen, Frau Kuby, übereinstimmt. Wie oft zieht er Sie zu Rate?
Diese niederträchtige Formel von der „Ungleichheit“, die gottgegeben sei, hat auch einmal auch der Ku-Klux-Klan gegen die Emanzipation der Schwarzen aufs Tapet brachte und damit auf Jahrzehnte bis heute den Kampf um gleiche Rechte vergiftet.
Noch immer rotten sich z. B. in den USA Rassisten zusammen, um Nicht-Weiße zu bekämpfen; und in Sachsen gleichgar das Fußvolk der AfD, deren Frau von Storch eine Ihrer Kampfgenossinnen ist, werteste Frau Kuby. Zum Rassismus gehört die Schwulenfeindschaft, nicht nur in den USA, wo Hatz und Hetze übelste Sumpfblüten treiben. Die „Demo für Alle“ müht sich sehr, dem Muster zu folgen.
Mit dem Volkszorn – wie er eben geifernd bei den „Demos für Alle“ eiternd aufbricht, rechnen Sie, Gabriele Kuby, wie alle Verbalstrategen, natürlich deutlich: Sie behaupten, Sie würde „nur“ informieren, damit mündige Bürger ihre Entscheidungen treffen können. Solche Entscheidungen treffen wie es die Duma-Abgeordneten in Moskau in Sachen Schwulendiskriminierung getan haben – und auch wieder tun werden: es liegt dort ein Gesetzentwurf in der Warteschleife, der homosexuellen Menschen verbietet, in der Öffentlichkeit wie alle anderen auch Zärtlichkeiten auszutauschen – bloß…um die Kinder zu schützen.
Was aber nun das Schützen der Bevölkerung vor den Homosexuellen angeht – Na, da wird sich ja die berühmt-berüchtigte Rentnerin freuen, die am Rande einer der „Demos für Alle“ in die Kameras des ZDF greinte, es „äkele sie, wenn sie zusehen müsse, wie Homosexuelle ihre Geschlächtsteile ineinander stecken“ – worauf der Moderator der heute-show ihr antwortete, sie solle sich eben nicht dauernd Schwulenpornos ansehen. Offenbar laufen die meisten Schwulenpornos in den Wohnzimmern von schwulenfeindlichen Heteros…

Bei dem Widerstand gegen Ihre sogenannten „Informationen“ die Sie, Frau Kuby über Homosexuelle verbreiten, handele es sich, so sagen Sie in Ihrer Selbstsäuberung weiter, um politische Strategien, der Desinformation. Denjenigen, sie sich tatsächlich wehren gegen Ihre Unwahrheiten und Verhetzungen, mangele es an Demokratieverständnis und sie seien in Wirklichkeit menschen- und schwulenfeindlich.
Ich kenne in der Tat nur einen Menschen, der diese Torsion demokratischer Gegenwehr von diskriminierten Menschen unterschreiben würde, das ist Ihr neuer Freund David Berger, für dessen „Gaystream“ sogar in Ihrem Namen Ihr Rechtsanwalt einen Artikel geschrieben hat. Es fehlt also nicht mehr viel zur Verbrüderung.
Von wegen Homophobie
Weiter, Allerwerteste, verwehren Sie sich dagegen, Sie verkündeten Homophobie. Da gebe ich Ihnen sogar einmal Recht – ängstlich sind Sie nicht. Ich begehe nicht den Fehler wie Sie, meine Gegner zu pathologisieren (wenn´ s auch reizvoll wäre). Die verschimmelten Behauptungen, Homosexuelle seien psychisch gestört, ich-dyston (wie Ihre Kombattantin, die Fachfrau für Homoabwehr, Christl Vonholdt, die über Venenkrankheiten promoviert hat, nicht müde wird daher zu beten ) sind auf perfide Weise bereits der zaghaften Zivilisierung der katholisch-evangelikalen Vorurteile zu verdanken, wie Foucault nachgewiesen hat. Kein Mensch schlösse sich Ihrem Feldzug gegen Homosexuelle an, wenn Sie noch immer behaupten würden, wie bis ins 19.Jahrhundert geschehen, Homosexualität sei satanisch. Also wird nicht mehr gleich hingerichtet und verbrannt, sondern man schickt die Delinquenten ins Gefängnis oder ins Krankenhaus, um das Andere, das Nichtgefällige, Unangepaßte, das anscheinend Sperrige dann doch rauszukriegen aus der Normgesellschaft. Das beruhigt dann wieder und man fühlt sich sicher – so wie jetzt die braven Bürger sich sicherer fühlen, wenn man die Flüchtlinge aussperrt oder versucht, sie in ihren Heimen zu verbrennen, fühlen sich brave Katholiken wie Sie, Frau Kuby, sicherer, wenn man die Homosexuellen als Kranke ausgrenzt. Dann sind sie ja auch behandelbar! Damit die Welt so göttlich werde, wie Sie sie haben wollen!

 

Sexualmoral
Scheppernd klingt´s wenn Sie dann in einem Nebensatz den katholischen Begriff der „Sexualmoral“ einführen (wovor es Ihnen sonst graut); eine Verkleisterung des Anspruchs der Catholica nach „regulierter Sexualität“ – und damit der Beherrschung und Normierung des Menschen.
Wir brauchen keine Sexualmoral, Frau Kuby. Dieser Paulinische Irrsinn beherrscht nach fast 2000 Jahren noch immer unsere tatsächlich prüd-bigotten Gesellschaften. Solange Sie auf ein Jenseits warten, müssen Sie natürlich alles verdammen, was dieses kurze und oft genug elende Leben lebenswert macht: Freundschaft, Sexualität in jeder Hinsicht und Liebe. Gott und Ihr Glaube daran machen das Leben jedenfalls nicht leichter! – Das dauernde Betonen der HomoSEXUALITÄT insinuiert natürlich auch, daß Homosexuelle nicht lieben können – wie es jüngst die Gattin des Raphael Bonelli, Victoria Bonelli, auf kath.net tat. Sie erklärte schlichtweg Homosexuelle hätten viel Narzisstisches und würden vor lauter Eigenliebe unfähig, das Andere zu lieben. Wer nicht so liebt wie ich, ist des Teufels! Das meint Frau Bonelli!
Aus solchen Wahnideen entstand die Hexenjägerei – und jetzt soll es den Schwulen auf ähnliche Weise wieder an den Kragen gehen.

 

Noch ein paar Takte zur Selbstfußwaschung,
Frau Kuby: Sie können natürlich Homosexualität, wie Sie es verkünden, als Sünde ansehen. Aber dann predigen Sie das Ihren katholischen Freunden und schreiben nicht ein Buch – „Die globale sexuelle Revolution“ – das die bösartige Phantasie einer homosexuellen Weltverschwörung phantasiert und behauptet die UN und die EU würden mit Hilfe von Gender-Maßnahmen diese Homosexualisierung vorantreiben.
Daß Sie den Beginn der homosexuellen Weltverschwörung in der Zeit der Aufklärung sehen, läßt erahnen wohin Sie sich zurücksehnen. In die Zeit davor, in die Theokratie, in Unrecht, in die Dummheit, in die Zeit der Inquisition, der Verachtung der Wissenschaften und der Menschenrechte…die GEGEN Ihre Religion entwickelt und erkämpft werden mußten.
Daß Sie schließlich in einer befreiten Sexualität und gleichberechtigten Homosexuellen einen neuen Totalitarismus wittern und fürchten, wundert am Ende dann gar nicht mehr.
Wes Geistes Kind – die Sie sich als weltschützende Christin gerieren – Sie wirklich sind und woher diese Ahnungen resultieren, zeigt eine (oft überlesene) Fußnote Ihres Buches. Sie sind sich nicht zu schade, Scott Livelys Machwerk „The Pink Swastika“ als Referenz zu nutzen, das das Unrechtssystem der Nazis als von Homosexuellen geschaffen darstellt.
Nur mit solch schäbigen Tricks können Sie erst behaupten, die Freiheit werde im Namen der Freiheit zerstört. Livelys Buch hat die Absichten und die niedere Qualität des üblen Hoaxes „Die Protokolle der Weisen von Zion“! Lively ist es auch gewesen, der in Uganda versucht hat, die Regierung des korrupten Staates so zu beeinflussen, daß sie die Todesstrafe für Homosexuelle in ihre Gesetzbücher aufnehmen sollte. Erst die halbherzige Drohung des Westens, Entwicklungsgelder zu streichen, hat dazu geführt, daß diese Unternehmungen abgeschwächt wurden. Hohe Gefängnisstrafen drohen aber dort noch immer.
Nein, Frau Kuby, wer sich mit solchen Leuten gemein macht, der darf nicht behaupten, er sei nicht schwulenfeindlich. Das sind Sie und Ihre Mitstreiter durch und durch – aber auch nicht auf höheren, göttlichen Befehl. Es gibt einen solchen Befehlsnotstand nicht, mit dem Sie sich rechtfertigen könnten!

 

Warum also dieser Kampf, dieser Haß gegen Homosexuelle…
…zu Beginn des 21. Jahrhunderts, da wir dachten, besseren menschlicheren Zeiten in dieser Frage entgegen gehen zu können, wir Narren.
Wir hatten nicht mit der Unfähigkeit so vieler Leute gerechnet mit Offenheit, Lebendigkeit, Freiheit umgehen zu können. Darum machen Fundamentalchristen ja auch so gerne gemeinsameSache mit den Kryptofaschisten von AfD und PEGIDA.
Tempora mutantur et nos mutamur in illis…gegen eine Veränderung zum Besseren kämpfen Fundamentalchristen vehement. Einerseits weil sie das Leiden adorieren – und warum sollten Homosexuelle, die schon immer unter den Christen gelitten, nicht weiter leiden. Das Leiden ist ja der Kuß Jesu, wie uns die infame Mutter Teresa wissen ließ…
…und zum anderen – und das ist auch der Grund, weshalb wir nicht von „Homophobie“, sondern wirklich von Haß reden müssen: wenn Homosexuelle endlich in allem gleichberechtigt wären, nicht mehr wie bei Ihnen, Frau Kuby, verdächtigt würden, die Menschheit zu bedrohen, dann gingen Ihnen und Gleichgesinnten eine Menschengruppe verlustig, auf die sie hinabblicken können; eine Gruppe, die sie unbedingt brauchen, um sich selbst als gottgerecht, gottgefällig, sauber und rein, richtig und gut betrachten zu können. Kommen Sie mir nicht, Sie sorgten sich tatsächlich um Homosexuelle, die ja womöglich krank seien und litten und geheilt werden könnten – das hat den gleichen Wert wie die Grausamkeiten der Mutter Teresa, die ich eben zitierte!
Das ist ja immer der Grund für Rassismus und Menschenmißachtung – man braucht Geschöpfe zweiter Klasse, damit man sich gerechtfertigt und besser fühlt. Das Brimborium der christlichen Liebe soll das nur verschleiern.
So sieht es aus, Frau Kuby – und deshalb glaube ich Ihnen kein Wort der Selbstrechtfertigung, Selbstsäuberung, Selbstbeweihräucherung!

 

Der Fehdehandschuh
Ich würde Sie gerne auslachen, auspfeifen und ausbuhen wie weiland Erich Mielke geschehen. Aber der war ja – wie bereits gesagt – außer Gefecht, auf dem Abstellgleis und nicht mehr gefährlich.
Sie aber, Frau Kuby, stürmen immer wieder mit voller Schlagkraft in die Schlacht, um gegen Homosexuelle zu kämpfen, sie zu diskreditieren und die Wirkung erstehen zu lassen, sie seien Menschen zweiter Klasse.
Noch immer müssen Homosexuelle in den Schatten leben, in Scham, die Sie und Ihre Mitstreiter ihnen einreden, sie leben in dem Glauben, sie seien falsch, verkehrt und krank. Und noch immer bringen sich deshalb zu viele junge Menschen (aber auch Ältere um) – die Homofeinde behaupten schäbig, das sei die Folge der homosexuellen Labilität und Depression…ich kann mich des bösen Eindrucks nicht erwehren, daß man hinter vorgehaltener Hand raunt, dies sei auch eine Lösung des Problems…
Wenn wir uns nicht endlich auf die Hinterbeine stellen und Ihnen, Frau Kuby und Gesinnungsgenossen, Paroli bieten, kann das so kommen. Das kann so kommen – wird es aber nicht…da ist mein Handschuh, Allerwerteste!